Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ARK XXIII/1, Wochenbericht Nr. 2

26. Juni 2008

Genau am Sommeranfang, nämlich letzten Freitag, konnten wir kurz nach dem Durchgang der Sonne durch unseren nördlichen Meridian die geodätischen Arbeiten auf Grönland abschließen. Trotz der - dem vergleichsweise frühen Expeditionstermin geschuldeten - noch dichten Eisbedeckung konnten wir alle geplanten Messstationen ausfliegen und auf Grönland installieren. Zu diesem Erfolg trug wesentlich das im wahrsten Sinne des Wortes blendende Wetter bei. Unsere „Haltestellen“ im Eis hießen Jackson Insel, Shannon und Store Koldewey. Von letzterer aus waren so lange Wegstrecken mit dem Helikopter zurückzulegen, dass wir besonders dankbar waren, dass die Bordwetterwarte mit zwei Mitarbeitern besetzt ist und vor Ort verlässliche lokale Wetterprognosen erstellt werden.

Dass die Mitternachtssonne zwar hell, aber doch nicht so kräftig wie zu Mittag scheint,  brachte uns aufziehenden Nebel ein, der die Fahrt durch das Eis recht mühsam gestaltete. Es ist ja so, dass man bei guter Sicht alles hat: Man kann von der Brücke der Polarstern die Eisverhältnisse gut beurteilen, bekommt informative Satellitenbilder und kann auch mit dem Helikopter die Eislage erkunden. Ist das Wetter schlecht, fallen gleich alle genannten drei Orientierungsmöglichkeiten aus und das dafür eigentlich nicht gemachte Radar informiert noch am besten. Der Nebel hielt sich hartnäckig auch die folgenden Tage, doch zu guter Letzt kam die Eiskante doch in Sicht.

Nachdem wir am Sonntag dann, zum Bedauern der meisten an Bord, das Packeis vor Grönland verließen, stand die Woche ganz im Zeichen der Verankerungsarbeiten. Wir hatten vier Verankerungen zu bergen und dieselbe Anzahl wieder auszubringen. Drei davon tragen autonom profilierende Messgeräte, die von etwa 100 m Wassertiefe bis zum Ozeanboden in 3800 m Tiefe täglich die physikalischen Eigenschaften des Wassers messen. Die vierte trägt ebenfalls ein autonom profilierendes Messgerät, funktioniert aber umgekehrt: Von 160 m Tiefe aus wird unter Verwendung einer Unterwasserwinde bis zur Meeresoberfläche gemessen. Dies ist eine ausgesprochen innovative Technik. (Herkömmliche Verankerungen können wegen der rauen Seegangsbedingungen nicht dicht unter der Meeresoberfläche platziert werden.)

Eine Schwierigkeit bestand darin, dass dieses System nicht ausgetauscht werden konnte, sondern dasselbe Gerät auf dieser Fahrt wieder ausgesetzt werden musste. Das bedeutet, dass man nach der Bergung die Daten sofort auslesen, den Gerätezustand überprüfen, die Energieversorgung austauschen und die Geräte wieder einsatzfertig herrichten muss. Es ist klar, dass dies ein oder zwei Tage dauert und die Verankerung nicht wie sonst üblich sofort nach der Bergung neu ausgebracht werden kann.

Die Verankerungsarbeiten sind heute Morgen beendet worden. Wir setzten unseren Weg nach Osten mit CTD-Stationen fort und nehmen für die Biologen und Chemiker dabei Wasserproben.

Alle an Bord sind wohlauf und senden wiederum mit mir die besten Grüße.

Gereon Budéus, Fahrtleitung ARK XXIII/1

 

 


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite