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ARK-XXII/1, Wochenbericht Nr. 4

Die letzten 3 Tage des ersten Teilabschnitts der Expedition  ARK XXII/1 haben wir mit einem umfangreichen wissenschaftlichen Programm über Sotbakken verbracht, einem bislang wenig untersuchten Riffkomplex nördlich des 70. Breitengrades. JAGO konnte mit wechselnden Zielsetzungen während vier erfolgreichen Tauchgängen reiche Riffgebiete nachweisen. Die Tauchgänge wurden unterbrochen von Sedimentprobennahme (mit Backengreifer, Kastengreifer und Schwerelot, sowie Video-Transekten und Hydrosweep-Vermessungen. Mittwoch, den 20. Juni 2007 musste um Mitternacht die Forschungsarbeit eingestellt werden, um die Anfahrt nach Tromsø zu beginnen. Wer nicht schon mit dem Verpacken seiner wissenschaftlichen Ausrüstung begonnen hatte, musste sich nun sputen – schon acht Stunden nach Ende der Forschungsarbeiten kam der Lotse an Bord, der uns am Tag der Mittsommerwende durch die immer wieder atemberaubende Fjordlandschaft nach Tromsö begleitete.

Nach dem Mittagessen hieß es Abschied nehmen von 33 Fahrtteilnehmern. Die Besatzung der „Polarstern“ hatte nach dem Festmachen unverzüglich mit der Entladung von Fracht- und Gerätecontainern begonnen, unter anderem auch den, in dem sich JAGO zum Rücktransport nach Kiel befand. Das Arbeitsdeck war bereits am Tag zuvor soweit frei geräumt worden, dass die Ausrüstung des ferngelenkten Unterwasserfahrzeugs QUEST des Forschungszentrums MARUM der Universität Bremen zum ersten Mal an Bord der „Polarstern“ installiert werden konnte.

Mit dem QUEST, ein bis zu 4000 Meter tief tauchendes, unbemanntes Tauchfahrzeug (im Englischen als Remotely Operated Vehicle - kurz ROV - bezeichnet) eröffnen sich uns auf den kommenden beiden Unterabschnitten der Expedition hervorragende Möglichkeiten, wie zum Beispiel gestochen scharfe Videobilder aus der Tiefsee an Bord der „Polarstern“ zu übertragen,  mit den beiden Greifarmen gezielt Proben vom Meeresboden zu nehmen und Messinstrumente an wissenschaftlich interessante Positionen zu platzieren, die dort dann unabhängig vom ROV vorprogrammierte Messungen durchführen. Die zunächst erforderlichen Installationsarbeiten wurden unmittelbar nach dem Anlegen der „Polarstern“ gemeinsam vom ROV-Team und der Schiffsbesatzung in Angriff genommen. So sollte sichergestellt werden, dass der geplante Termin, Tromsö  am Nachmittag des 23. Juni wieder zu verlassen, eingehalten werden kann.

Am Abend des 21. Juni fand auf Einladung des AWI ein Empfang auf der Brücke der „Polarstern“ statt. Hochrangigen norwegischen Politikern, Direktoren und leitenden Mitarbeitern norwegischer Forschungseinrichtungen und einer Delegation der amerikanischen Arctic Research Commission wurden die Ziele der Expedition, das bisher Erreichte und die „Polarstern“ vorgestellt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch ein Kooperationsvertrag zwischen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tromsö und dem AWI unterzeichnet.

Am Samstagmittag wurden dann 36 neue Fahrteilnehmer an Bord begrüßt. Noch vor dem Abendessen gab es für die neu zugestiegenen Wissenschaftler durch den Kapitän und seine Offiziere Einweisungen in die Regeln und Zuständigkeiten an Bord. Auch die Sicherheitsbelehrung inklusive Auslösung eines Probealarms wurde durchgeführt, so dass alle Neueinsteiger über die Sicherheitsmassnahmen an Bord informiert waren. Abends wurde dann die Planung der Stationsarbeiten für die nächsten Tage vorgestellt, und die Labore an Bord den Anforderungen der Wissenschaftler entsprechend verteilt. Gleich darauf wurde damit begonnen, die Labore einzurichten und Geräte in Betrieb zu nehmen und zu testen, da bereits am nächsten Morgen mit den ersten Stationsarbeiten begonnen werden sollte.

Sonntagvormittag erreichten wir unsere erste Station am Hakon-Mosby- Schlammvulkan. Dort wurde zunächst eine CTD – Station gefahren, um Daten zu Temperatur und Salzgehalt in der Wassersäule zu bekommen. Diese Informationen werden für die Kalibrierung der Sonarsysteme an Bord benötigt, denn die Schallgeschwindigkeit im Wasser wird durch diese Parameter beeinflusst. Anschließend wurde ein Vermessungsnetz über dem Schlammvulkan abgefahren. Neben der Bodenmorphologie wurden auch die Sedimenteigenschaften echografisch erfasst und mit einem weiteren speziellen Sonarsystem die Gebiete lokalisiert, in denen offenbar Methan in nennenswerten Mengen aus dem Meeresboden entweicht.

Nach geringfügigen technischen Problemen, die von den ROV-Ingenieuren rasch behoben werden konnten, wurde QUEST am frühen Sonntagvormittag erstmalig von der „Polarstern“ aus eingesetzt. Das war insgesamt eine beachtliche Leistung von der Schiffsbesatzung und dem ROV-Team, das System nur rund 18 Stunden nach Auslaufen einsatzbereit zu haben. In 1250 m Wassertiefe wurden am Hakon-Mosby- Schlammvulkan erste Sedimentproben mit darauf lebenden Bakterienmatten gewonnen. Beeindruckend waren die wirklich gestochen scharfen Videobilder, die mit einer hochauflösenden Kamera gemacht wurden.

Nachdem das ROV am frühen Sonntagabend wieder an Bord war, konnte mit einem ersten Multicorer-Probennahmeprogramm begonnen werden. Neben den ersten Sedimentproben in den Laboren an Bord verteilte sich auch der Schlamm des Hakon Mosby auf dem Arbeitsdeck – offensichtlich heißt er nicht ohne Grund „Schlammvulkan“. Zwischen zwei Multicorer - Stationen kam ein so genanntes Freifallgerät zum Einsatz, das nun für die kommenden zwei Tage am Meeresboden verbleibt. Die Hoffnung der verantwortlichen Wissenschaftler ist, dass mit den das Gerät eingebauten Reusen lebende Tiefseefische gefangen werden, die dann in einem speziellen Aquariencontainer lebend gehalten werden sollen, um sie später am AWI stoffwechselphysiologisch zu studieren.

Trotz des engen Zeitplans und der damit verbundenen hohen Arbeitsbelastung sind alle an Bord wohlauf.

Herzliche Grüße von Bord im Namen aller Fahrtteilnehmer

Michael Klages
(Fahrtleiter)

Vor dem Aussetzen des QUEST werden umfangreiche Tests an Deck durchgeführt.

Entnahme von Sedimentkernen, die mit dem Multcorer gewonnen wurden.

QUEST wird angehoben, um das Gerät mit dem A-Rahmen der "Polarstern" auszusetzen.


 
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