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ARK-XXII/1b, Wochenbericht Nr. 5

25.  Juni – 1 . Juli 2007 (Woche 26)

Inzwischen hat sich ein gewisser Rhythmus an Bord eingespielt – am frühen Morgen geht zunächst der „Lift“ zu Wasser, ein recht großer Aufnahmebehälter für Bodenproben und Messgeräte, anschließend das ROV „QUEST“ des Zentrums für marine Umweltwissenschaften MARUM an der Universität Bremen. Im  Anschluss an die meist zwischen zehn bis vierzehn Stunden dauernden Taucheinsätze werden über Nacht Geräte mit den Winden der „Polarstern“ zum Meeresboden gefiert, der hier ungefähr 1250 m tief liegt.

So wurde ab Montag damit begonnen, erste Sedimentkerne mit dem an der Universität Bremen entwickelten Autoklav-Kolbenlot unter dem am Meeresboden herrschenden Druck an die Oberfläche zu holen. Mit dieser Technologie kann im Sediment gebildetes Gashydrat, eine eisähnliche Substanz, ohne Verlust geborgen werden. Gashydrate sind nur unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen stabil und beinhalten hohe Gehalte an Methan. Bereits der erste Einsatz des Geräts war außerordentlich erfolgreich, und bei der kontrollierten Druckentlastung der so gewonnenen Sedimente wurde die Freisetzung extrem großer Methan-Mengen, die aus Gashydrat stammen, festgestellt. Bei diesen Experimenten wurden auch Gasproben für weitere Analysen im Heimlabor gewonnen.

Der angesprochene Rhythmus im Einsatz der Geräte wurde bislang nur einmal für zwei Tage unterbrochen. Der recht nüchtern klingende Text der Wettervorhersage des Bordmeteorologen klang wie folgt: „ Ein Tiefdruckgebiet 990 hPa über Finnland verlagert sich weiter westwärts und liegt morgen bei den Lofoten. Es vereinigt sich mit einem weiteren Tief 985 hPa über Dänemark zu einem umfangreichen Tiefdrucksystem, das über Skandinavien stationär wird. Aussichten: Wind aus Nordosten mit Geschwindigkeiten um 7 Beaufort, Sicht gut, zeitweise diesig. See 4 m.“ Was man an Land als „Schietwetter“ bezeichnen würde resultierte für uns in einer Pause für das ROV, da bei Wellenhöhen von 4 m (tatsächlich ging die See zeitweise noch ein wenig höher) ein sicheres Aussetzen und Wiederaufnehmen des QUEST unmöglich ist.

Die Zeit wurde genutzt, Programmpunkte, die für später auf dem Plan standen, vorzuziehen. In  rascher Folge wurden Schwerelote, Autoklav-Kolbenlote, Multicorer, Großkastengreifer, Temperaturlanze und Freifall-Lander zum Meeresboden weggefiert bzw. abgesetzt. Mit den an Bord geholten Proben verschwanden die Wissenschaftler dann ähnlich schnell in ihren Laboren. Fast alle Fahrtteilnehmer sind schon auf „Polarstern“ oder anderen Forschungsschiffen gefahren, so dass sich diese Routine, begünstigt durch den unermüdlichen Einsatz und die Hilfsbereitschaft der Besatzung, in erstaunlich kurzer Zeit entwickeln konnte.

Am Mittwoch und Donnerstag standen Fahrtleiter, Co-Chief scientist und der Leiter des ROV–Teams frühmorgens auf dem Achterdeck, um die Auf- und Abwärtsbewegung des Schiffes im Bereich der Aussetzposition für das ROV „hautnah“ zu erleben. Einvernehmlich mit dem Kapitän wurde beschlossen, dass die Seegangsverhältnisse ein für Mensch und Material sicheres Aussetzen und Einholen nicht zuließen.

Freitagmorgen hatte sich die Wettersituation dann endlich soweit verbessert, dass QUEST abtauchen und wir zu unserem Rhythmus zurückfinden konnten. Einschließlich Sonntag haben wir inzwischen fünf erfolgreiche Tauchgänge mit dem QUEST abgeschlossen und vielversprechende Experimente durchführen können.

Herzliche Grüße von Bord im Namen aller Fahrtteilnehmer

Michael Klages

Einsatz eines Temperaturfühlers mit dem Unterwasserroboter QUEST

Probennahme mit dem Unterwasserroboter QUEST


 
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