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Kaltwasserkorallen von den Marie-Byrd-Seamounts. (Foto: M. Gutjahr)

ANT-XXVI/3, Wochenbericht Nr. 8

22. März - 28. März 2010

Ein dünner Film mit frischem Eis überzieht das ruhige Meer. Ideale Messbedingungen für das gerade abgefahrene seismische Profil. Dann tauchen Robben auf – nicht zwei oder drei, wie sonst schon oft beobachtet – nein, es sind hunderte von Krabbenfresserrobben, die aus allen Richtungen auf die Polarstern zuschwimmen. Die seismischen Luftpulser werden ausgeschaltet. Immer wieder schwimmen einzelne Gruppen dicht ans Heck des Schiffs und spielen in den Strudeln der Propeller. Eine Gruppe geht, die nächste kommt. Den ganzen Tag ein beeindruckender Anblick, der auch unsere Experten für marine Meeressäuger begeistert, denn ein solches Verhalten ist bisher kaum beobachtet worden.

Nachdem wir unsere Arbeiten auf dem Schelf nahezu beendet haben, entscheiden wir uns aufgrund eines aufkommenden Sturmes, die geologischen Probennahmen auf den in der Tiefsee liegenden Marie–Byrd-Seamounts  vorzuziehen. Der „Ausflug“ dorthin lohnt sich. Die Meeresgeologen sind begeistert. Eine gute Menge von Kaltwasserkorallen können mit der Dredge gesammelt werden. Die fossilen Korallen bergen in ihrem Gerüst Informationen über die Beschaffenheit des Meerwassers zur Zeit ihres Wachstums und sind daher von unschätzbarem Wert für die Wissenschaftler, die sich – wie Marcus Gutjahr – mit der Veränderung der südpazifischen Wassermassen im Zusammenhang mit Klimaänderungen beschäftigen.

Das Expeditionsende naht. Viele Arbeitsgruppen schreiben schon fleißig für den abschließenden Fahrtbericht. So liefern die beiden kleinsten Arbeitsgruppen schon ein interessantes Resumé:

Recht unerwartete Informationen lieferten die Messungen des geothermischen Wärmestroms im Untergrund. Obwohl mit einem sehr robust wirkenden Gradiententhermometer ausgeführt, liefern die Temperaturen des Untergrundes normalerweise Informationen über den Aufbau des Kontinentalrandes und der jüngeren tektonischen und vulkanischen Ereignisse. Nicht an allen Punkten waren die Messungen in diesem Sinne erfolgreich, dafür haben wir aber viel darüber gelernt, mit welcher enormen Dynamik der Wasseraustausch zwischen der Tiefsee des Pazifiks und der Schelfregion vonstatten geht. In Wassertiefen von 600-800 m "erinnert" sich der Meeresboden anhand der Temperatur an das Vor- und Zurückschreiten der Wassermassen der vergangenen Wochen und Monate. In Zusammenschau mit den CTD-Daten der Ozeanographen ist dies ein Erkenntnisgewinn in einer ganz unerwarteten Richtung.


 

Abschiedsfoto aus der Antarktis: Polarstern in einer See von neuem Pfannkucheneis. (Foto: A. Denk)

Die Biologen der polaren biologischen Ozeanographie untersuchen durch die Klimaänderungen herbeigeführte Veränderungen der Biodiversität und der Verbreitung des Phytoplanktons im Südpolarmeer. Auf der gesamten Fahrt wurden Proben aus dem Oberflächenwasser für ein Nord-Süd-Profil von Neuseeland bis an den antarktischen Kontinent und ein West-Ost-Profil entlang der antarktischen Küste genommen. Außerdem wurden im Amundsenmeer Tiefenprofile mit Wasserproben aus der CTD erstellt. Da der Hochsommer und die Zeit der großen Phytoplanktonblüten vorbei sind, gilt das Interesse der Artenzusammensetzung und Verteilung der Phase nach der Sommerblüte. In dieser Zeit weist das Südpolarmeer eine eher moderate Phytoplanktondichte auf, punktuell sind jedoch Restblüten aus dem Sommer oder kleinere Herbstblüten zu finden. Genau so ein „Patch“ wurde während der Probenahme der letzten Woche entdeckt. In einem Schnitt mit 11 CTD-Stationen zeigten 10 eine geringe Planktondichte und eine Station eine deutlich höhere Dichte. Interessant wird die Analyse in Bremerhaven, wenn dieser „Patch“ mit den anderen Stationen in ihrer Artenzusammensetzung verglichen wird.

Am letzten Tag auf dem Schelf des Amundsenmeeres zeigt sich die Antarktis von ihrer schönsten Seite: Die Polarstern gleitet zum Abschied durch eine milchig-weiße See von frisch gefrorenem Pfannkucheneis bei strahlend sonnigem Wetter. Ein Erlebnis für Fotografen und Genießer .....

Dieses ist nun der letzte Wochenbericht, bevor wir am Ostermontag in Punta Arenas einlaufen werden. Ich hoffe, die Leser haben einen kleinen Eindruck von unseren Forschungsarbeiten in diesem äußerst spannenden Arbeitsgebiet der Westantarktis erhalten. Alle Arbeitsgruppen haben gute „Beute“ an Daten und Proben gemacht und freuen sich auf die Heimkehr.

Ganz besonders wollen wir der Besatzung der Polarstern und dem Helikopter-Team danken. Ihre Unterstützung bei allen unseren Arbeiten mit den doch sehr häufigen Änderungen in der Arbeitsplanung war einmalig. Herzlichen Dank!

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen zum Osterfest von allen Fahrtteilnehmern

Karsten Gohl  (mit Beiträgen von Norbert Kaul und Christian Wolf)


 
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