Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

GPS-Station auf einer kleinen Granitinsel am nördlichen Ende des Pine Island Northern Ice-Shelf. (Foto: M. Scheinert)

ANT-XXVI/3, Wochenbericht Nr. 7

15. März - 21. März 2010

Zunächst sollte eine andere Planung die nächsten Tage bestimmen. Unser Meteorologe Max brachte uns jedoch eine Wettervorhersage, die nur ein sehr kurzes Zeitfenster zuließ, um die auf dem Festland installierten GPS-Geräte der Geodäten wieder abzubauen und auch den Geologen eine letzte Gelegenheit zu geben, weitere Gesteinsproben vom Festland zu sammeln. Somit brachen wir das Seismikprofil in der Mitte kurzerhand ab und machten uns zügig auf den Weg an die Küste vor dem Pine-Island-Gletscher.

Die Geodäten der TU Dresden führten die ersten GPS-Messungen im Gebiet der Pine-Island-Bucht schon vor vier Jahren durch. Nun wurden drei verschiedene Messpunkte auf dem Fels wiederholt eingemessen, um aus dem Vergleich der Messwerte der Jahre 2006 und 2010 Differenzen in den Vertikal- und Horizontalkomponenten ableiten zu können. Insbesondere in der Vertikalkomponente erwartet man eine signifikante Änderung, die durchaus im Bereich von 1 bis 2 cm für den Zeitraum von vier Jahren liegen kann. Die vertikale Deformation wird hauptsächlich auf den glazial-isostatischen Ausgleich, also eine Landhebung aufgrund der seit dem letzten glazialen Maximum verschwundenen Eismassen, zurückzuführen sein. Außerdem sollen die Analysen zeigen, in welcher Größenordnung sich Eismassenverluste der letzten Jahren und Jahrzehnte, insbesondere im Bereich des schnell fließenden Pine-Island-Gletschers, berechnen lassen.

Das Landgeologie-Team konnte hier schließlich seine Geländearbeiten beenden. Als ein  letzter Beprobungspunkt wurde die Clark-Insel angeflogen, ungefähr in der Mitte der Pine-Island-Bucht gelegen. Während der letzten Wochen hatte das Team insgesamt 12 kleine, zumeist namenlose Inseln beprobt, die zusammen zwei mehr als 100 km lange Profile über die Pine-Island-Bucht bilden. Die meisten dieser Inseln sind noch nie betreten worden, und ihre geologische Struktur ist praktisch unbekannt. Während unserer Geländearbeit haben wir herausgefunden, dass die im Osten der Bucht gelegenen Inseln vorwiegend aus Granit bestehen, während sich Richtung Westen metamorphe, stark deformierte Gesteinseinheiten anschließen. Nun sind die Geologen auf die Altersdatierungen gespannt, die die Geschichte dieser Gesteine erzählen werden, vom Zerfall des Superkontinents Gondwana bis zur jüngeren Hebungsgeschichte und dem Eisrückzug in der Westantarktis.


 

Die Rosette mit CTD-Messgerät wird zur Wasserprobennahme und Messung von Temperatur und Salzgehalt ins Wasser gesetzt. (Foto: M. Schröder)

Auch die Ozeanographen nutzten die letzte Gelegenheit, ihre Messungen über die Beschaffenheit des Meerwassers in der Pine-Island-Bucht zu vervollständigen. Mit Hilfe von 6 hydrographischen Profilen über den tiefen glazialen Trog der Bucht kann das warme und salzreiche Wasser von der Tiefsee über den flachen Schelf bis zu den Gletscherzungen des Gebietes verfolgt werden. Als schwerste Wassermasse bewegt es sich am Boden entlang bis weit in die Schelfeiskavernen hinein und ist mit einer Temperatur von +1.2°C (immerhin 4° C über dem Schmelzpunkt an der Aufsetzlinie des Gletschers) ein wesentlicher Faktor für das Abschmelzen der Gletscher. Ein Vergleich mit den in früheren Jahren gewonnenen Daten ermöglicht eine Abschätzung darüber, wie sich die Wassertemperaturen in den letzten 15 Jahren verändert haben und wie sich diese Veränderung auf die Massenbilanz der Pine-Island- und Thwaites-Gletscher auswirkt.

Ein besonderer Bonbon wurde den Ozeanographen allerdings verwehrt. Eine weitere Helikopter-CTD-Station sollte am entgegen gesetzten Ende einer Meereiszunge, die schon seit Wochen zwischen der Pine-Island-Bucht und dem westlichen Amundsen Sea Embayment festsitzt, ausgebracht werden. Die Gelegenheit dazu war gut, denn das Schiff musste aufgrund einer routinemäßigen Wartungsarbeit in der Maschine für wenige Stunden ohne Antrieb in eine ruhige und sichere Position gebracht werden. Das geht am besten, wenn man den Rumpf ins feste Eis setzt. Doch ein immer stärker zunehmender Wind und die instabile Beschaffenheit des Eises durchkreuzten leider die Pläne mit der Helikopter-CTD.

Die letzten Chancen in der Pine-Island-Bucht größtenteils genutzt, geht es nun wieder in Richtung offene See des Amundsenmeeres für den allerletzten Abschnitt in unserem spannenden Arbeitsgebiet.

Mit herzlichen Grüßen von allen Fahrtteilnehmern
Mirko Scheinert, Michael Schröder, Cornelia Spiegel und Karsten Gohl


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite