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ANT-XXVI/3, Wochenbericht Nr. 3


 

Geologen bei der Probennahme auf der Shepard-Insel. Der Hubschrauber wartet im Hintergrund. (Foto: C. Spiegel)

15. Februar - 21. Februar 2010

Die Spannung steigt ..... Nach Süden hin abgedreht, bahnt die Polarstern ihren Weg durch das lockere Packeis in Richtung des Wrigley-Golfs vor der Küste von Marie-Byrd-Land. Die Meereisbedingungen sind in diesem Jahr insgesamt vor der Westantarktis günstig. Wir lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen, in die Küstenpolynja – den eisfreien Streifen vor der Küste – zu fahren, um diese noch recht unbekannte Region dort etwa 3 Tage lang zu untersuchen. Eine Geologengruppe der Uni Bremen und vom British Antarctic Survey sowie die Geodäten der TU Dresden erkundigen sich laufend nach dem Flugwetter. Ihre Ziele liegen im Bereich der sogenannten Hobbs-Küste, wo die Geodäten eine mögliche tidenabhängige Bewegung des hinteren Getz-Gletschers mit einem hochgenauen GPS-Gerät messen wollen. Wenn der Versuch gelingen sollte, wäre dieses ein Hinweis darauf, dass bodennahes Meerwasser unter dem Gletscher bis weit in den Küstenstreifen hinein eindringt. Der erste Hubschrauber konnte bereits mit den Geodäten losfliegen. Der zweite folgte kurz danach und brachte das Geologenteam zu einer Bergkette, auf der granitische Gesteine beprobt werden konnten. Doch nach nur einer Stunde des Steineklopfens musste das Team zum Schiff zurückkehren, denn das Wetter schlug um. Die Geodäten hatten inzwischen ihre GPS-Station aufgebaut und befanden sich schon wieder auf dem Schiff. Glücklich zeigten die Geologen die gesammelten Proben und hoffen nun auf einen weiteren Flug zu dieser Bergkette an einem der nächsten beiden Tage.

Für die Forschungsziele, in denen der Zusammenhang zwischen Eisschilddynamik und Klima- und Meeresspiegeländerungen untersucht werden soll, hat der westantarktische Eisschild eine besondere Bedeutung. Dieser Teil des antarktischen Kontinents wurde in seiner tektonischen Geschichte durch ein großes Rift- und Grabensystem geprägt, ähnlich dem des ostafrikanischen Rifts. Dadurch liegt der heutige westantarktische Eisschild – anders als der in der Ostantarktis – größtenteils unter dem Meeresspiegel auf seinem Untergrund auf. Mit Klimadaten gefütterte Computersimulationen sowie Analysen von Sedimentproben aus den wenigen Bohrungen im Südozean und im Rossmeer lassen vermuten, dass der Eisschild in seiner Geschichte sehr empfindlich auf Klimaänderungen reagiert hat. Wie hat sich der geologische Untergrund im Laufe der Eisschildgeschichte entwickelt und diese beeinflusst? So ist Marie-Byrd-Land eine Region, deren Erdkruste sich um mehrere Kilometer angehoben hat, verursacht durch eine relativ heiße Zone im Erdmantel. Hält die Hebungsbewegung heute noch an? Die Bremer Geologen wollen anhand von geeigneten Gesteinen versuchen, diese Hebungsgeschichte des so genannten Marie-Byrd-Land-Doms zu rekonstruieren. Dafür sind die Gesteine in den Bergketten in dieser Küstenregion des Wrigley-Golfs sehr gut geeignet. Aber die Wetteraussichten für weitere Flüge zum Festland sehen nicht gut aus....


 

Fächerecholotdaten werden auskartiert und ergeben hochinteressante Strukturen des Meeresbodens. (Foto: K. Gohl)

Währendessen sind die Arbeitsgruppen an Bord aktiv und sammeln Wasserproben, messen Temperatur und Salzgehalt in verschiedenen Wassertiefen, nehmen Sedimentproben vom Meeresboden, ziehen seismische Messprofile und vermessen den Meeresboden des Kontinentalschelfs mit dem Fächer-Echolot der Polarstern. Tiefe Furchen durchziehen den inneren Schelf vor dem Ausflussbereichs des Getz-Gletschers, eingefräst durch das Voranschreiten der aufsitzenden Eisströme in früheren Eiszeiten. Die Temperatur des Wassers in Meeresbodennähe ist höher als erwartet. Wie findet das relativ warme Wasser am Meeresboden seinen Weg von der Tiefsee über die Schelfkante in diese Furchen und Tröge?

Das Packeis ist uns gut gesonnen, aber wie wird sich das Wetter entwickeln? Der Rand eines Sturmtiefs nördlich von uns bringt feuchte Luft aus dem Osten und verschlechtert zunehmend die Sichtbedingungen. Ein kleines Wetterfenster erlaubte einen Flug der Geologen zu der nahen Shepard-Insel mit kurzem Aufenthalt für Probennahmen. Doch der Versuch der Bergung des GPS-Geräts auf dem weiter entfernten Gletscher musste wenige Flugmeilen vor der Station abgebrochen werden. Aber wir haben einen Plan B  ....


Mit herzlichen Grüßen von allen Fahrtteilnehmern
Karsten Gohl


 
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