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ANT-XXVI/3, Wochenbericht Nr. 2


 

Seismiker bei der Montage eines Luftpulsers. (Foto: N. Kaul)

8. Februar - 14. Februar 2010

Die tobenden fünfziger Breitengrade durchquert, gelangten wir Anfang der Woche in die nördlichen Gefilde des antarktischen Rossmeeres. Neben dem Weddellmeer des atlantischen Sektors ist das Rossmeer die zweitgrößte Bucht der Antarktis mit einem breiten Schelfeisgürtel. Hier fließt mehr als ein Drittel des westantarktischen Eisschildes in Form von Eisströmen und Gletschern aus. Wir blieben auf unsere Fahrtroute zunächst noch weit entfernt vom Schelfeis, denn unsere ersten wissenschaftlichen Ziele liegen in der weitgehend eisfreien Tiefsee des Rossmeeres.

Ein 3000 m langes Kabel (die „gelbe Schlange“) wird von einer großen Winde über das Heck der Polarstern ins Wasser gelassen. 5 Knoten Fahrt halten es auf einer idealen Wassertiefe von 10 m. In jedem Meter dieses Kabels befindet sich ein Hydrophon, welches, ähnlich einem Mikrophon, akustische Wellen aufnehmen kann. Dieser so genannte „Streamer“ wird mit seiner Datenaufzeichnungseinheit die seismischen Wellen registrieren, die alle 12 Sekunden mit Luftpulsern hinter dem Schiff ausgelöst werden. Mit diesem Verfahren der Reflexionsseismik können Schichten von abgelagerten Sedimenten bis in mehrere Kilometer unter dem Meeresboden abgebildet werden. Zwischen dem Pazifisch-Antarktischen Rücken und dem Rossmeer führten die Geophysiker damit so genannte seismische Voruntersuchungen zu einem geplanten internationalen Bohrprojekt (IODP) durch. Wesentliche Ziele des vorangehenden Fahrtabschnittes beinhalteten schon derartige Voruntersuchungen an verschiedenen vorgeschlagenen Bohrlokationen im Südpazifik. Wir setzen diese Untersuchungen an bisher zwei Lokationen im nördlichsten Rossmeer fort. Bei diesem Bohrprojekt wird es um die Frage gehen, wie sich die Zyklen der Vereisung der Antarktis seit Anfang der ersten großen Vereisungsphase vor ca. 34 Millionen Jahren bis hin zur Gegenwart rekonstruieren lassen. Die Tiefseesedimente geben darüber Aufschluss, denn sie enthalten Mikrofossilien, mit denen sich z.B. Temperatur und Salzgehalt der Wassermassen des Südozeans einer bestimmten geologischen Epoche bestimmen lassen. Jeder Vereisungszyklus brachte zunächst eine Ausdehnung des antarktischen Eisschildes gefolgt von seinem Rückzug mit sich, was auch mit veränderten Umweltbedingungen des umgebenden Südozeans einher ging. Diese Zyklen mit Hilfe der Tiefseesedimente zu entschlüsseln, ist eine Herausforderung an die Meeresgeologen, die die zukünftigen Bohrkerne auswerten werden. Die Seismik und die obersten 22 m an Sedimenten, die mit einem so genannten Kolbenlot aus dem Meeresboden gestanzt wurden, zeigen aber schon mal, dass zumindest die südlichste Lokation günstige Sedimentationsbedingungen für eine zukünftige Bohrung aufweist.


 

Einer der Hubschrauber hebt ab fuer einen geomagnetischen Messflug. (Foto: D. Zitterbart)

Tag und Nacht wird nach Abschluss der Voruntersuchungen weiter ge“streamert“. Mit einem über 1500 km langen seismischen Messprofil sollen die Muster der Sedimentablagerungen in der Tiefsee vom nördlichen Rossmeer bis in das Amundsenmeer verglichen werden. Darüber erhoffen sich die Geophysiker Aufschlüsse, wie unterschiedlich die Sedimente vom Kontinent stammend durch Eisschildbewegungen in den verschiedenen Regionen der Westantarktis abgelagert wurden. Da die Messgeräte nahezu störungsfrei funktionieren – auch begünstigt durch hervorragendes Wetter und eine ruhige See – ging der Wachbetrieb des Geophysikteams bald in Routine über, begleitet von spannenden Diskussionen über das, was an seismischen Reflexionsmuster auf den Monitoren laufend dargestellt wird.

Das zeitweilig sonnige Wetter und eine Eisbergkulisse luden gerade dazu ein, am Samstagabend ein erstes Grillfest auf dem Deck zu veranstalten. Der Koch und sein Team in der Kombüse haben alle Fahrtteilnehmer ausnahmslos begeistert.

 

Mit herzlichen Grüßen
Karsten Gohl


 
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