Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

Die Expedition ANT-XXVI/3

 

Wochenberichte

7. Februar 2010: Auftakt einer Expedition zur Westantarktis

14. Februar 2010: Fahrt ins Rossmeer

21. Februar 2010: Wrigley-Golf und Getz-Gletscher

28. Februar 2010: In den Buchten der Amundsensee

7. März 2010: Pine-Island-Bucht

14. März 2010: Äußere Pine-Island-Bucht und Tiefsee des Amundsenmeeres

21. März 2010: Die letzten Chancen in der Pine-Island-Bucht

28. März 2010: Marie-Byrd-Seamounts und der letzte Abschnitt


 

Zusammenfassung und Fahrtverlauf

Seit dem letzten glazialen Maximum erfuhr der westantarktische Eisschild (WAIS) dramatische Volumenänderungen innerhalb kurzer Zeiträume. Der WAIS hat das Potenzial, den globalen Meeresspiegel um 3 bis 5 Meter ansteigen zu lassen. Untersuchungen, die diese Variationen mit denen in der älteren und jüngeren geologischen Vergangenheit vergleichen und somit Parameter für Vorhersagemodelle ableiten lassen, sind daher dringend erforderlich. Mit dieser vordringlichen Fragestellung vor Augen beginnt der FS Polarstern-Fahrtabschnitt ANT-XXVI/3 am 30. Januar 2010 in Wellington (Neuseeland). Diese Expedition hat primär geophysikalische und geologische Forschungsziele, die die vorglaziale und glaziale Entwicklung der Westantarktis entschlüsseln helfen sollen. Ein ozeanographisches und biogeochemisches Forschungsprogramm sind ebenso geplant wie ein Projekt zur automatischen Detektion mariner Säuger.

Das Forschungsprogramm beginnt mit geophysikalischen und geologischen Voruntersuchungen an vorgeschlagenen Bohrlokationen eines IODP-Bohrvorschlages entlang der Fahrtroute von Wellington zum östlichen Rossmeer. Geophysikalische Messprofile werden vom östlichen Rossmeer entlang des gesamten Kontinentalrandes von Marie-Byrd-Land aufgenommen, um das existierende Datennetz des Rossmeeres mit den Messprofilen im Amundsen- und Bellingshausenmeer zu verbinden. Das Schließen dieser großen Datenlücke ist eine wichtige Voraussetzung zur Rekonstruktion einer zirkumantarktischen Paläobathymetrie für paläoklimatische Simulationen. Mit Erreichen des Hauptarbeitsgebietes in der Amundsenmeerbucht sollen die geophysikalischen und bathymetrischen Vermessungen fortgesetzt werden. Kenntnisse über die Beschaffenheit und Eigenschaften der Sedimente und des Grundgebirges ergeben wichtige Parameter für die Rekonstruktion der glazial-interglazialen Zyklizität von der frühesten Vereisung bis zum letzten glazialen Maximum. Das Gebiet der Pine-Island-Bucht ist bekannt für die dort seit kurzer Zeit beschleunigt stattfindenden Rückzüge der Pine-Island- und Thwaites-Gletschersysteme. Geothermische Wärmeflussmessungen sollen Einblick liefern in jüngere vulkanische Aktivitäten, die einen Einfluss auf das Fließverhalten des Eisschildes haben können. Sedimentkerne dienen der Datierung und Rekonstruktion vergangener Schelfeisrückzüge. Auch wird eine Beprobung der erst kürzlich an den Marie-Byrd-Seamounts entdeckten Kaltwasserkorallen stattfinden. Aufgeschlossene Gesteinsformationen entlang der Küste von Marie-Byrd-Land sollen aufgesucht werden, um Proben für die Analyse kosmogener Nuklide zu sammeln, die den Eisschildrückzug datieren helfen. Weitere Gesteinsproben werden für die Rekonstruktion der Erosions- und Hebungsgeschichte von Marie-Byrd-Land mit Hilfe von Spaltspurenanalysen genutzt. Wiederholungsmessungen an GPS-Messpunkten und die Einrichtung neuer Messpunkte auf Fels und auf den Schelfeisen entlang der Küste dienen der Bestimmung der horizontalen und vertikalen Bewegungen der Erdkruste sowie der Fließ- und Tidenbewegungen der Schelfeise. Ozeanographische Prozesse sind mögliche Ursachen für beschleunigte Eisschildbewegungen in der Westantarktis. Ein ozeanographisches Messprogramm mit CTD-Messungen zielt auf die Verteilung und Einwirkung des zirkumpolaren Tiefenwassers auf dem Kontinentalschelf und im Bereich der Gletschermündungen der Amundsenmeerbucht ab. Die Methanproduktion während der Phytoplanktonblüte ist ein Prozess, der für den Südozean unzureichend verstanden ist. Wasserproben werden für Methangasanalysen gesammelt, wobei das gelöste Gas an Bord analysiert werden soll. Proben von antarktischem Phytoplankton werden genutzt, um die klimainduzierten Änderungen und die Biodiversität zu untersuchen. Weiterhin findet auf diesem Fahrabschnitt ein Projekt zur Beobachtung von marinen Säugern mit Hilfe eines thermographischen Systems statt.

Die Expedition wird am 5. April 2010 in Punta Arenas (Chile) beendet sein.

 

Fig. 1: Planned track of RV POLARSTERN during expedition ANT-XXVI/3 from Wellington to Punta Arenas and its scientific disciplines. Grey-framed boxes indicate main working areas in the southern Amundsen Sea where ice conditions dictate the tracks. Hashed lines mark alternative tracks and working areas.


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite
 

Kontact

Fahrtleiter
Karsten Gohl


 

Verwandte Seiten