ANT XXV/5, Wochenbericht Nr. 2
Punta Arenas – Las Palmas – Bremerhaven
11. April – 24. Mai 2009
Nach Verlassen des patagonischen Schelfs und Durchqueren des Argentinischen Beckens haben wir am 22.4. das Südende des Vema-Kanals erreicht. Dabei handelt es sich um ein mehrere hundert Kilometer langes untermeerisches Canyon, das einen äquatorwärtigen Abfluss von Antarktischem Bodenwasser über die Rio-Grande-Schwelle hinweg erlaubt. Die Schwellentiefe liegt bei 4600 Metern. Auf zwei benachbarten Stationen kam die CTD-Sonde zum Einsatz. Vielfach wiederholte Messungen der Temperatur des Bodenwassers am Kanaleingang zeigen seit 1972 eine Tendenz zu steigenden Werten, die auch auf der gegenwärtigen Reise bestätigt wurden.
Alle Messsysteme für kontinuierlichen Gebrauch und für Stationsmessungen arbeiten weitgehend zuverlässig. Kleine Störungen gab es beim bei der ADCP-Aufzeichnung und der Förderpumpe im hydrographischen Schacht. Sie konnten kurzfristig beseitigt werden.
Zu Beginn der Fahrt haben wir verabredet, dass jede Arbeitsgruppe über ihr Fachgebiet an dieser Stelle berichten wird. Heute folgt die Zusammenfassung der Meereschemiker vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR:
Eines der Ziele unseres Vorhabens, so schreiben Björn Fiedler und Inga Piller, ist die Erprobung unterschiedlicher Sensoren für den Stoffaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre zu testen. Hierbei ist das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) von besonderem Interesse. Zu dessen Konzentrationsbestimmung verwendet man unterschiedliche Methoden im Ozean und in der Atmosphäre. Neuartige Sensortechniken und leistungsstarke Messsysteme für CO2 werden in der Meeresforschung zunehmend eingesetzt. Die Ozeane können somit in Zukunft in einer besseren räumlichen und zeitlichen Abdeckung beprobt werden. Viel versprechende Messplattformen wie beispielweise profilierende Floats vom Typ ARGO könnten für diese Technik in Frage kommen.
Der laufende Fahrtabschnitt bietet für diesen Zweck sehr gute Voraussetzungen, da wir auf dem langen Weg von Chile nach Deutschland eine Vielzahl an unterschiedlichen Meeres- und Klimaregionen passieren werden. Während der Fahrt pumpen wir kontinuierlich Oberflächenwasser ins Labor, um unsere selbstregistrierenden Analysesysteme zu versorgen.
Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf einem neuen CO2 Sensor, welcher durch seine kleine Bauweise ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten bietet. Erste Vergleiche mit konventionellen Messinstrumenten deuten auf eine gute Übereinstimmung der Daten hin. Als Referenz für die spätere Auswertung werden daher auch regelmäßig während der Fahrt Wasserproben genommen, welche in Anschluss an die Fahrt im Labor in Kiel analysiert werden sollen.
In den verbleibenden Wochen werden wir des Weiteren die Gelegenheit nutzen, diesen Sensor am Kranzwasserschöpfer der CTD-Sonde zu testen. Von ersten Tiefenprofilen erhoffen wir uns eine genauere Charakterisierung des Instrumentes. In Hinblick auf künftige Anwendungen (z.B. Einsatz auf Argo-Floats etc.) spielt die Ermittlung der Zeitkonstanten eine entscheidende Rolle.
Ein weiteres Gerät, welches sich neu im Einsatz im Labor befindet, ist ein optischer Nährstoffsensor, der auf dieser Fahrt kontinuierlich den Nitratgehalt des Oberflächenwassers im Ozean misst. Zur Überprüfung der Genauigkeit und Verlässlichkeit des Sensors werden parallel dazu Ozeanwasserproben genommen und nasschemisch, sprich per Handmethode, analysiert. Ein Vergleich erster Messdaten zeigt bereits sehr vielversprechende Ergebnisse. Im Diagramm ist zu sehen (Abb. 2), dass die Daten des kontinuierlich messenden Sensors und die der diskreten Proben eine beachtlich gute Übereinstimmung aufweisen.
Alle an Bord sind wohlauf, und wir freuen uns mit Verlassen der herbstlichen Gefilde der der Südhalbkugel auf den Frühling jenseits des Äquators. Wir grüßen aus einer Gegend, wo ganz weit im Westen Brasiliens heimliche Hauptstadt Rio de Janeiro liegt.
Walter Zenk (Fahrtleitung), 24. April 2009




