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ANT XXV/5, Wochenbericht Nr. 4

Punta Arenas – Las Palmas – Bremerhaven
11. April – 24. Mai 2009

Seit gestern ist die halbjährige Mission der POLARSTERN auf der Südhalbkugel beendet. Bei trübem Tropenwetter und fast 30 Grad warmem Wasser haben wir kurz vor halb acht den Äquator überquert und fahren unverändert auf 23°W weiter bis zum Wegpunkt 20°N, 23°W. Die recht unspektakuläre Rückkehr in die Nordhalbkugel (Signal: 1x lang) ist mit Blick auf den vorgezogenen Besuch von Neptun und seiner Gemahlin Thetis am 1. Mai-Feiertag zu verstehen. Nur fünf Monate nach seiner letzten Visite gab sich der Herrscher aller Meere erneut die Ehre, die POLARSTERN mit Pomp zu besuchen. Er wurde an der Lotsenleiter nach Betreten des Schiffes von Kapitän Pahl willkommen geheißen. Die sich anschließende traditionelle Taufe hat wiederum allen viel Spaß bereitet. Abends wurde bei phantastischen Wetterbedingungen und mit viel Harmonie auf dem Arbeitsdeck gegrillt.

Ein angedachtes Treffen mit der METEOR kam aufgrund des unüberbrückbaren Termindrucks leider nicht zustande, obwohl beide Schiffe innerhalb von wenigen Tagen denselben Ort kreuzten.

Die Forschungsarbeiten laufen ohne Schwierigkeiten im geplanten Rahmen. Der tägliche Stopp des Schiffes mittags um eins zur flachen CTD-Station ist Routine geworden. Diese Messungen werden je nach Verfügbarkeit von direkter Sonneneinstrahlung von den Meteorologen an Bord für Strahlungsmessungen mit der RAMSES-Sonde genutzt. Die begleitenden notwendigen Schlauchbootfahrten erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit.

Wiederholt gab es sehr interessante Vorträge zu hören. Besonders seien die Bildreportagen von Nils Koschnik und Jörg Hofmann erwähnt. Sie berichteten als Beteiligte vom Leben und Arbeiten auf der argentinischen Antarktisstation „Jubany“ bzw. vom Aufbau der deutschen Station „Neumayer III“.

Die Meereschemiker berichten heute über ihre Suche nach Quecksilber im Meer. Joachim Kuss und Martin Kunze vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) untersuchen Quecksilber im Oberflächenwasser für das Projekt „QueMar“, das von Dr. Bernd Schneider beantragt wurde und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Hier ist ihr Bericht:

„Quecksilber ist ein natürlich vorkommendes Element. Durch menschliche Aktivitäten gelangt Quecksilber aber verstärkt in die Luft, z.B. durch Verbrennung von Öl und Kohle. Dort verteilt es sich global und wird letztendlich an Staub gebunden von Regen und über Flüsse in die Weltmeere eingetragen. Da Quecksilber unter Umweltbedingungen schnell seine Zustandsform ändert, verbleibt es nicht zwangsläufig im Meer, sondern kann, über die Umwandlung in das flüchtige elementare Quecksilber, wieder aus dem Meer abgegeben werden. 
Um diesen Prozess näher zu untersuchen, wird auf der Fahrt mit der FS „Polarstern“ die Konzentration von flüchtigem, elementarem Quecksilber jede Stunde analysiert. Dies geschieht, analog zur Messung von Quecksilber in der Luft, mit Atomfluoreszenzspektrometrie. Die Konzentration im Wasser kann aber nicht direkt mit dem Spektrometer bestimmt werden. Man behilft sich mit einem sogenannten Equilibrator, der an das Spektrometer angeschlossen wird. Der Equilibrator besteht aus einer großen Flasche mit einem Duschkopf (s. Abb.). Wasser wird in fein verteilter Form durch die Flasche geleitet, bis sich die Verteilung des gasförmigen elementaren Quecksilbers zwischen Wasser und Luft im Gleichgewicht befindet. Das dauert etwa eine Stunde. Man analysiert dann diese Luft aus dem Equilibrator und kennt damit die Konzentration im Wasser. Abwechselnd wird auch die Quecksilberkonzentration in der marinen Atmosphäre in Luftproben vom Peildeck bestimmt. Aus dem Konzentrationsunterschied von elementarem Quecksilber zwischen dem Meerwasser und der Atmosphäre, lässt sich berechnen, wie viel elementares Quecksilber pro Quadratmeter Meeresoberfläche am Tag abgegeben wird. Die herrschende Windgeschwindigkeit bestimmt die Transfergeschwindigkeit.

Die hier durchgeführten Untersuchungen zeigen deutliche regionale Unterschiede der marinen Quecksilberemissionen. Unklar ist derzeit, welche Rolle die Sonneneinstrahlung und biologische Prozesse dabei spielen.  Die vom Meer abgegebenen Mengen an Quecksilber sind aber relativ klein, und liegen im Bereich von einigen 10 bis zu mehreren 100 Nanogramm (ein Milliardstel Gramm) pro Quadratmeter und Tag. Da die Meeresoberfläche aber etwa 2/3 der Erdoberfläche ausmacht wird erwartet, dass insgesamt bedeutende Mengen an Quecksilber von den Ozeanen abgegeben werden. Wohlgemerkt sind die Emissionen aber so klein, dass die Meeresluft dadurch nicht schädlich wird.“

Erste Gedanken ans Packen und Landen in Bremerhaven sind deutliche Zeichen dafür, dass die erste Hälfte der Reisezeit hinter uns liegt.
 
Auch dieses Mal grüße ich herzlich im Namen aller an Bord,

Walter Zenk
6°N, 23°W, 6. Mai 2009

Martin Kunze und Joachim Kuss vor dem Spektrometer und dem Equilibrator im Chemielabor des FS „Polarstern“. (© Foto: Björn Fiedler, IFM-GEOMAR)


 
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