Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ANT-XXV/4 Wochenbericht Nr. 2

Polarstern itinerary during the first two weeks: weather commanding.

Die Fahrtroute der /Polarstern/ während der ersten beiden Wochen: Das Wetter übernahm die Regie!

05.04.2009
Punta Arenas –Punta Arenas

 

• Das Wetter

Das Wetter war während des ersten Teils der Reise ein bestimmender Faktor. Die schlechten Bedingungen und der hohe Seegang zwangen die Polarstern hinter der Insel „Isla de los Estados“ in Deckung zu gehen (23. März). Vom 29. auf den 30. März mussten wir dann eine volle Nacht abwettern.

Der Kursplot des Schiffes mit seinem Vor und Zurück und seinen gefahrenen Kreisen bezeugt diese schlechten Wetterbedingungen, die während des ersten Teils der Reise unserer Arbeit und unseren Bemühungen im Wege standen.

Der Fortgang der Arbeit wurde so stark verzögert, dass wir zunächst entschieden, die Distanzen zwischen den Stationen zu vergrößern. Doch die Wetterbedingungen wurden nicht besser, weshalb wir einige Stationen aus dem Plan übersprangen. Schließlich mussten wir den südlichen Teil des Tracks 104 streichen und nach Jubany fahren, in der Hoffnung auf bessere Bedingungen.

Und in der Tat, das Wetter besserte sich und am 2. April stabilisierte sich ein Hochdruckgebiet in der südlichen Drake-Passage mit östlichen Winden. Von da an begünstigten optimale Wetterbedingungen den Fortschritt unserer Arbeiten.

 


 

• Die Entwicklung von Tag zu Tag bis King George Island

Nach der erfolgreichen Bergung der 5 Verankerungen konnten wir eine Reihe von CTD- Stationen in einem tiefen Canyon durchführen, der den West Scotia Ridge von Norden nach Süden kreuzt. Ziel dieser Messungen ist ein besseres Verständnis der Tiefenwasserströmungen über dieser komplizierten Bodenstruktur und die Vermischung der Wassermassen zu dokumentieren, die durch die steilen Hänge verursacht werden.

Aufgrund der hohen Wellen wurde der Draht, an dem das CTD-Rosetten-System hängt beschädigt und musste repariert werden. Am 29. März musste die Mannschaft 10 Meter des Kabels abschneiden und die elektrische Verbindung zum Meßsystem wieder herstellen. Die Geschwindigkeit, mit der diese Reparatur durchgeführt wurde, war faszinierend. Wir erhöhten dann die Distanz zwischen den Stationen und die letzte CTD-Station vor Jubany wurde am 1. April durchgeführt. Die Station lag auf der westlichen Seite der Shackleton-Bruchzone und hatte eine Tiefe von 5000 Metern. Gleich nach dieser Rekordtiefe (die durchschnittliche Tiefe in der Drake-Passage beträgt 3500 Meter) nahmen der Wind und die Wellen erneut zu, bis zu 10-11 Beaufort und Wellenhöhen bis zu 8 Metern. Das Schiff konnte nur mit 5 Knoten manövrieren und die Brücke füllte sich mit Photographen, die fasziniert das Szenario beobachteten. Wir erreichten King George Island bei Sonnenuntergang und das Aussetzen der Fischfallen in der Admiralty Bay musste auf den nächsten Morgen verschoben werden.

 

 


 
Antarctic fish: Pachycera Brachycephalum

Der antarktische Fisch /Pachycera Brachycephalum/

Fish trap recovery.

Aufnahme einer Fischfalle

• Besuch auf King George Island (2. April)

Die Fischfallen wurden am frühen Morgen in der malerischen Admiralty Bay ausgebracht und die Hubschrauber-Flüge begannen. Die zwei Helikopter der Polarstern flogen zu verschiedenen Stationen, wo sie Ausrüstungsgegenstände aufnehmen und zur Polarstern bringen mussten. King George Island (Südliche Shetlands) ist eine schmale Insel (95 x 25 km) und von der Antarktischen Halbinsel durch die Bransfield-Straße getrennt. Über 90% der Insel sind permanent vereist. Die Insel beheimatet 9 Stationen aus 8 verschiedenen Ländern: Chile (Frei und Escudero), Argentinien (Jubany), China (Great Wall), Südkorea (King Sejong), Polen (Arctowski), Brasilien (Ferraz), Peru (Machu Picchu), Russland (Bellingshausen). Freundlicherweise organisierte die Mannschaft Bootsfahrten zur Insel, während die Hubschrauber mit der Logistik beschäftigt waren. Wir alle bekamen die Möglichkeit an Land zu gehen, die Mehrzahl ging nach Jubany, wo auch ein deutsches Labor (Dallmann) zu besichtigen war und eine Gruppe wurde von einem koreanischen Boot aufgenommen, um die südkoreanische Station King Sejong zu besuchen. Alle waren sehr beeindruckt.

Wir nahmen 5 Wissenschaftler auf, die 2 Monate in Jubany gearbeitet hatten.

 

Die Bransfield-Straße ist eine geotektonisch aktive Region und beherbergt eine Reihe von unterseeischen Vulkanen. Weiter im Süden ragt ein Vulkan aus der Wasseroberfläche, bekannt als Deception Island. In der Nähe von King George Island befindet sich der unterseeische Vulkan Orca (auch Viedoff-Vulkan genannt). Während wir auf den nächsten Morgen warten, um die Fischfallen zu bergen, führten wir eine CTD-Station direkt im Krater und eine weitere außerhalb des Kraters durch, um zu prüfen, ob der Vulkan aktiv ist. Die erste vorläufige Analyse der Daten lassen vermuten, dass der Vulkan aktiv ist.

Die Bergung der Fischfallen war ein großer Erfolg: Annähernd tausend Fische wurden gefangen und sofort in die Aquarienanlage mit angepasster Wassertemperatur gebracht. Mit wenigen Ausnahmen gehörten die Fische der Art der antarktischen Aalmutter an. Den Fischen geht es trotz des Schocks eines Druckunterschieds von 50 Atmosphären (500 m Wassertiefe) sehr gut.

Nach dem Bergen der Fallen fuhren wir Richtung Shackleton-Bruchzone.

 


 
The microstructure profiler and its winch

Das profilierende Mikrostrukturmessgerät mit der dazu gehörenden Winde

• Zurück am Shackleton-Bruchzone

Die Shackleton-Bruchzone ist ein 800 Kilometer langer meist gradliniger schmaler (30 km Breite) und ausgeprägter Rücken (im südlichen Teil mit Bergkämmen bis zu 1400 m unter der Wasseroberfläche). Der Rücken verläuft über die gesamte Drake-Passage von Elephant Island bis zum Kap Horn. Der südliche Teil liegt genau auf Jason-1 ground track 28. Wir nahmen diese zufällige Übereinstimmung wahr und kombinierten in-situ Messungen von Bord mit den Messungen des Satelliten.

Wir starteten ein intensives und erfolgreiches CTD-Programm in der Hoffnung, das Strömungsregime über den Rücken messen zu können.

Wir folgten der Bodentopographie mit Hilfe des Fächer-Echolots der Polarstern, um unsere CTD-Stationen genau auf dem Kamm des Rückens zu positionieren.

Unsere koreanischen Kollegen starteten ihre Mikrostruktur-Profilmessungen. Mit ihrem Gerät können kleine Strukturen im Wasser und somit die Mischung in den ersten 500 Metern der Wassersäule mit hoher Messauflösung (512 Hz) gemessen werden. Die Hypothese ist, dass die Shackleton-Bruchzone für eine kräftige Durchmischung des Wassers verantwortlich ist.

 

Zur Zeit geht die Arbeit reibungslos und sehr effizient voran. Wir alle hoffen, dass die Wettervorhersage heute Abend wie folgt sein wird: Schönes Wetter bis zum Ende der Expedition.

 

Jeden Abend haben wir um 19:30 ein Treffen, das mit der Wettervorhersage unseres Meteorologen beginnt, gefolgt vom einem Bericht zum Status der Arbeit, die geleistet wurde, der Arbeit die geplant ist, einem wissenschaftlichen Vortrag von einem Wissenschaftler an Bord und einer Präsentation der besten Bilder oder Filme des Tages. Die Auswahl der Bilder / Filme ist nicht einfach, weil es so viele wirklich schöne gibt.

 

Heute, Sonntag den 5. April, der Sonntag vor Ostern, hatten wir für einen Moment Sonne, einen kleinen Schneesturm, extrem ruhige See und …. ein 6-Sterne-Mittagessen und Abendbrot. Welch ein Glück.

 

 

Mit besten Wünschen von einem genialen Schiff mit einer guten Seele und Ausstrahlung

 

Christine Provost

 

 


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite