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ANT-XXV/4 Wochenbericht Nr. 1

28.03.2009
Punta Arenas – Punta Arenas

Auslaufen und die erfolgreiche Bergung unserer Verankerungen

 

•    Auslaufen

Wir begannen unsere Arbeiten auf Polarstern 2 Tage vor dem Auslaufen, um unsere Ausrüstung an Bord zu installieren. Da die ersten Messungen schon im Ausgang der Magellan-Straße geplant waren, mussten wir rechtzeitig fertig sein. Christian, der leider an der Reise nicht teilnehmen konnte, war ebenfalls an Bord und half uns bei der Installation des chemischen Labors. Dank der guten AWI Logistik und Dank der Hilfe der Besatzung waren alle nötigen Ausrüstungsgegenstände an Bord und standen uns zur Verfügung, so dass wir glücklich und dankbar unsere Instrumente und Laboratorien einrichten konnten. Nach der Installation ging Christian von Bord und Polarstern verließ die Bunkerpier bei Cabo Negro am sonnigen Samstagabend um 18:00. An Bord sind 45 Besatzungsmitglieder und 45 Wissenschaftler aus neun Nationen: Deutschland, Frankreich, Argentinien, China, Korea, den Niederlanden, Österreich, Spanien, Chile und Italien.

 

Punta Arenas verschwand langsam am Horizont, während uns schwarze und weiße Delphine um Polarstern in den kleinen Wellen der Magellan-Straße begleiteten. Auf einem Treffen am Abend konnten wir uns gegenseitig vorstellen und unsere wissenschaftlichen und technischen Ziele besprechen.

 

• Die wissenschaftlichen Ziele und unser Arbeitsprogramm

Der Antarktische Zirkumpolarstrom (ACC) ist der weltweit größte Meeresstrom und ein wichtiges Element des globalen Klimasystems. Dieser 2000 km weite Ring aus kaltem Wasser umschließt den antarktischen Kontinent und wird durch starke westliche Winde nach Osten getrieben. In der Drake-Passage erreicht der ACC seine engste Ausdehnung von ca. 700 km, ein guter Ort dieses Strömungssystem zu untersuchen. Die Beobachtung des ACC Transportes und der Charakteristika der Wassermassen ist wichtig, um die Kopplung dieses wichtigen Stroms mit Klimaveränderungen zu verstehen. Die Untersuchung des ACC ist kein leichtes Unterfangen, weil der Strom in sehr dynamischen und schnell veränderlichen Bändern unterteilt ist und Mäander und energiereiche Wirbel sehr häufig auftreten. Unsere experimentellen Methoden beinhalten eine Kombination von Satellitenbeobachtungen und Messungen vom Schiff aus. Die Satelliten messen alle 10 Tage die Höhe des Meeresspiegels auf einer Bodenspur mit einer Auflösung von 7 km. Diese Messungen werden benutzt, um Meeresströmungen abzuschätzen. Die in-situ Messungen vom Schiff aus werden uns Informationen der vertikalen Struktur des ACC geben. Diese Informationen können von den Satelliten-Daten nicht gewonnen werden.

 

925hPa depression coming in

Ein 925-hPa-Tiefdruckgebiet kündigt sich an


 

Die in-situ Messungen beinhalten Verankerungen zur Langzeit – Aufnahme der Meeresströmungen und CTD/LADCP/Wasserschöpfer-Stationen. Die Bergung der Verankerungen können nur am Tage durchgeführt werden, während die CTD/LADCP/Wasserschöpfer-Stationen rund um die Uhr im Einsatz sind und so die hydrographischen Arbeiten in Schichten geleistet werden. Die CTD/LADCP-Messungen geben uns Daten zur vertikalen Verteilung der Wassertemperatur, des Salzgehalts, des Sauerstoffgehalts, der horizontalen Geschwindigkeit, der Chlorophyllkonzentration und der kleinräumigen Turbulenzen. Das Meßsystem ist mit 22 Wasserschöpfern von jeweils 12 Litern Fassungsvermögen ausgestattet, die in definierten Wassertiefen geschlossen werden können. Der Wasserproben werden unter den Chemikern an Bord aufgeteilt, die zahlreiche Messungen an diesem Wasser durchführen. Auf Polarstern steht das Instrument nicht an Deck, sondern wird nach jeder Probennahme in das Nasslabor gefahren, in dem die Wissenschaftler ihre Proben geschützt vor schlechtem Wetter nehmen können.

 


 

Eine beeindruckende Welle in der Drake Passage

Dies ist unsere dritte Expedition in der Drake-Passage, die wir mit der Polarstern durchführen. Die erste (ANTXXII/3) fand im Januar und Februar 2006 statt. Während dieser Expedition wurden 10 Verankerungen zur Messung der Meeresströmungen ausgebracht. Die Verankerungen erfolgten entlang des „Gound tracks“ des Jason-Altimeter-Satelliten. So konnte eine definiertes Feld von hydrographischen Stationen geschaffen werden, an denen zahlreiche chemische Spurenstoffe zur Bestimmung der Wassermassen – Charakteristika, Quellen, Alter und Vermischung gemessen werden können und so Veränderungen ermittelt werden können, die seit der WOCE A21 Expedition in 1990 statt gefunden haben. Die Verankerungen wurden während der Expedition ANTXXIV/3 geborgen und 5 neue Verankerungen in der Nordhälfte der Drake-Passage ausgebracht, wo der ACC konzentriert ist. Auf der jetzigen Expedition (ANTXXV/4) wollen wir diese 5 Verankerungen bergen und mit hydrographischen Stationen koppeln, die entlang der Bodenspur zweier Satelliten gelegen sind: Track 104, wie bereits in 2006 beprobt und Track 29 über der Shackleton-Bruchzone, die als Barriere für das Tiefenwasser in der südlichen Drake-Passage dient.Für einige von uns ist es die dritte Expedition mit Polarstern und wir fühlen uns wie zu Hause. Die Neuen unter uns sind fasziniert von den Möglichkeiten, der Ausstattung der Polarstern und dem Komfort. Wir alle genießen die ausgezeichnet gute Küche.

 


 

Nächtliche Bergung der M4-Verankerung

•    Die Entwicklung von Tag zu Tag
Wir leisteten ein Sicherheitstraining ab und begannen unsere Arbeiten in der Mündung der Magellan-Straße, in der wir am 22. März erfolgreich 9 CTD-Stationen durchführen konnten.


Aber das Wetter übernahm sehr schnell das Kommando über die Schiffoperationen und den Fortschritt der Arbeiten. Ein sehr wichtiger Mann an Bord ist der Meteorologe, der die Wettersituation analysiert und Wettervorhersagen über Wind und Wellengang erstellt. Die Aussichten waren nicht gut und zeigten ein Tiefdruckgebiet mit 925hPa in der Drake-Passage. Es war sonnig und windig, als wir in die LeMaire-Straße einliefen. Ein großartiges Bild bot sich uns zwischen Feuerland auf der einen und der Isla de Los Estados auf der anderen Seite. Wir begannen mit CTD-Messungen, mussten die Arbeiten aber bald einstellen, weil der Wind und die Wellen zu heftig waren und wir Gefahr liefen, das Gerät zu beschädigen. Die Wettervorhersagen zwangen uns hinter der Isla de Los Estados in Deckung zu gehen und auf besseres Wetter zu hoffen.  Der Schiffsarzt verteilte zahlreiche Pflaster und Medikamente gegen Seekrankheit, die sehr effizient waren, so dass sich viele schnell besser fühlten und so die faszinierende Szenerie bei einer Windstärke von 11 Beaufort genießen konnten. Wir fühlten uns sicher und konnten sehr komfortabel das Schauspiel der Wellen auf der Brücke beobachten.

Schließlich konnten wir drei CTD-Stationen in der LeMaire-Straße durchführen und fuhren am 24. März weiter in Richtung Drake-Passage. Wir mussten aber wieder umdrehen und navigierten in Kreisen in der LeMaire-Straße mit geringer Geschwindigkeit. Wieder 11 Windstärken! Nach Wetterbesserung konnten wir dann die nördlichste Verankerung M1 am 25. März bergen, trotz einer hohen Dünnung, die vom Sturm zurück geblieben war. Am selben Tag versuchten wir M2 zu erreichen, aber am Abend nahm der Wind wieder zu, so dass wir umdrehten und einige CTD-Stationen durchführten. In den Morgenstunden des 26. März gelang es uns dann bei guten Wetter M2 zu bergen. Wir nahmen die Chance des guten Wetters war, um CTD-Stationen zu fahren und erreichten dann die Position M3 am frühen Morgen des 27. März. Wir nahmen die Verankerung auf und fuhren zur Verankerung M4. M4 wurde bei zunehmender Dämmerung und zunehmendem Wind und regnerischem Wetter geborgen. Am 28. März wurden CTD-Messungen durchgeführt. Die letzte Verankerung (M5) wurde dann bei ruhiger See und nebligem Wetter am Morgen des 29. geborgen.

Alle Verankerungen sind geborgen!
Am Nachmittag nahm der Wind wieder bis zu Beaufort 8 zu und verhinderte weitere Arbeiten mit der CTD.
 
Obwohl, wie üblich in der Drake-Passage, das Wetter unsere Arbeiten und den Rhythmus der beiden Haupttätigkeiten (CTD/LADCP/Wasserschöpfer-Stationen und Bergung der Verankerungen) in dieser Woche bestimmte, konnten zwischen Samstag den 21. März und Sonntag den 29. März alle 5 Verankerungen geborgen werden und 31 hydrographische Stationen bearbeitet werden. Jeder weiß, dass dies dem guten Seegangsverhalten des Schiffes zu verdanken ist. Die Mannschaft passt gut auf uns auf. Sie geben ihr Bestes, damit wir effizient und komfortabel arbeiten können, und das mit viel Erfolg. Und als Sahnehäubchen:  Das Essen ist hervorragend und reichlich.

Mit besten Wünschen von einem genialen Schiff mit einer guten Seele und Ausstrahlung

Christine Provost



 
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