ANT XXV/1, Wochenbericht Nr. 2

FS Polarstern auch einmal in den Tropen...(Foto: Timo Hanschmann)
10. November - 16. November 2008
Zu Beginn der Woche war die See weiterhin ruhig und der Himmel bewölkt. Der Montag, der 10. November, wurde für die letzten Tests der Posidonia-Anlage und des Scanfishs genutzt. Der Scanfish ist ein Gerät, das hinter dem Schiff geschleppt wird und von der Oberfläche bis zu einer Tiefe von 400 Metern regelmäßig rauf und runter taucht. Er misst dabei Parameter wie Temperatur, Salzgehalt, Chlorophyll, Trübung, etc. Um auch noch das Tiefenmessgerät zu testen, sind wir über einen unterseeischen Berg gefahren, der von einer Tiefe von über 4000 m bis zu 100 m unter der Wasseroberfläche auftaucht. Der Scanfish soll dann intensiv auf dem 3. Fahrtabschnitt eingesetzt werden.
Am 11. November wurden die Teilnehmer, die in Las Palmas ausgestiegen sind, mit einem Grillabend auf dem Arbeitsdeck verabschiedet. Es war ein sehr schöner Abend bei gutem Wetter und warmen Temperaturen. Darum wird uns sicherlich mancher zu Hause beneiden. Am nächsten Morgen tauchten dann die Lichter von Las Palmas vor uns auf. Die Polarstern ging gegen 7:00 Uhr ca. 3 Seemeilen vor dem Hafen auf Reede. Eine Stunde später war dann auch das kleine Boot längsseits, das die Aussteiger abgeholt hat. Das Boot schaukelte heftig neben der ruhig in der See liegenden Polarstern, so dass das Übersteigen eine sehr sportliche Angelegenheit wurde. Gleich danach ging es weiter Richtung Süden.

Im Schlauchboot zur Strahlungsmessung (Foto: Holger Uhlig)
Eine große Gruppe von Wissenschaftlern aus mehreren Nationen befasst sich mit der Zusammensetzung und der chemischen Charakterisierung der gelösten organischen Substanzen im Meer. Diese Substanzen stellen eines der größten aktiven Reservoire an organischem Kohlenstoff auf unserem Planeten dar, vergleichbar mit der Menge an Kohlenstoff, der in allen Landpflanzen oder im atmosphärischen CO2 gespeichert ist. Trotz der enormen Menge ist die chemische Zusammensetzung dieses extrem komplexen Materials bisher kaum entschlüsselt. Wir wollen herausfinden, wie das ursprünglich von Algen produzierte gelöste organische Material durch Sonnenstrahlung und bakteriellen Abbau in den verschiedenen Klimazonen verändert wird, die wir auf dem Weg von Bremerhaven nach Kapstadt durchqueren. Dazu werden jeden Tag gelöste organische Substanzen aus großen Mengen Wassers aus der Oberfläche und den darunter liegenden Wasserschichten mit Hilfe von verschiedenen Harzen angereichert.
Eine besondere Form der Selektion von Substanzen findet an der Meeresoberfläche statt. Es schäumt und blubbert dort wie in einem Glas Champagner. Das sieht man besonders gut, wenn die Polarstern durch die Wellen pflügt. Die kleinen Luftbläschen im Meerwasser ziehen oberflächenaktive, organische Stoffe wie ein Lift durch die Flüssigkeit nach oben, wo sie platzen, so dass diese Substanzen in die Atmosphäre gelangen. Mit den Wasserproben wird nun das Gleiche hier im Labor nachvollzogen. In einer Apparatur blubbert es ununterbrochen, und die hoch spritzenden Tröpfchen werden aufgefangen. Alle diese im Meer gelösten Substanzen, die mit den unterschiedlichsten Methoden angereichert werden, werden dann in den Heimatlabors mit modernsten Methoden analysiert. Mit den Ergebnissen erhofft sich die Gruppe neue Erkenntnisse über die Herkunft und die Veränderung dieser Substanzen, um neue Aussagen über die Rolle dieser großen Kohlenstoffmenge bezüglich klimatischer Änderungen zu ermöglichen.

Fliegender Fisch (Foto: Dieter Peterke)
In dieser Woche hat sich jetzt ein Rhythmus von flachen CTD-Stationen, bis zu einer Tiefe von 200 m, und Stationen, an denen Wasserproben bis zum Meeresboden genommen werden, eingespielt. Nachdem es zunächst etwas windiger wurde mit um die 7 Windstärken bei bedecktem Himmel, ist es zum Ende der Woche jetzt ruhiger und meist sonnig, so dass regelmäßig vom Schlauchboot aus Lichtmessungen durchgeführt werden können.
Wind und Strömung schieben uns nach Süden. Die ersten fliegenden Fische sind gesichtet worden, und Luft und Wassertemperaturen liegen mittlerweile bei 26-27°C.
Herzliche Grüße an alle zu Hause,
Gerhard Kattner


