ANT-XXIV/3, Wochenbericht Nr. 6

Das Zusammenfügen einer Verankerung beim Ausbringen. (Foto: Charlotte Lohse)

Polarstern bricht das Eis auf, um der Verankerung Raum zum Auftauchen zu schaffen. (Foto: Charlotte Lohse)

Die Aufnahme der Verankerung 207 in dichtem Meereis. (Foto: Eberhard Fahrbach)

Die Ausdehnung des Meereises im Februar in den letzten Jahrzehnten (NSIDC)
Sonntag, 30. März 2008
Ankunft bei King-George-Island
Heute Vormittag sind wir bei King-George-Island angekommen. An der Maxwellbucht im Potter Cove liegt die argentinische Station Jubany, der das deutsche Dallmann-Labor angeschlossen ist. Von hier und von den Stationen Frei und Artigas aus soll die Übernahme von Fracht stattfinden. Eine Gruppe von sieben französischen und einer chilenischen Wissenschaftler/innen warten bei der russischen Station Bellingshausen und 2 koreanische Wissenschaftler bei der koreanischen Station King Sejong, um an zu Bord kommen. Ihr Interesse besteht in den nun vor uns liegenden Arbeiten in der Drake-Passage. Da der Flug von King-George-Island nach Punta Arenas gestrichen wurde, muss die Gruppe, die aussteigen wollte, bis zum Ende der Reise an Bord bleiben. Nach einer sonnigen Anfahrt kam in der Bucht Nebel auf und nun warten wir, bis er sich hebt und wir endlich mit dem Flugbetrieb beginnen können.
In den Tagen zuvor konnten wir die Aufnahme des Schnittes durch das Weddellmeer abschließen. Dabei wurden wir auf erhebliche Geduldsproben gestellt. Die Eisbedingungen im Weddellmeer sind in diesem Sommer ungewöhnlich hart. Während des Sommers haben sich zwei große Eiszungen aus dem südlichen ins nordöstliche und nordwestliche Weddellmeer gehalten. Damit wurde ein Trend deutlich bestätigt, gemäß dem das Meereis in der Antarktis im Sommer über die letzten Jahrzehnte zugenommen hat. Allerdings bedeutet das keine wirkliche Zunahme der Eisbedeckung, sondern nur ein geringeres Abschmelzen im Sommer. Im Winter blieb die Eisdecke nahezu konstant. Für uns folgt aus dieser Entwicklung nicht nur die Frage nach einer Erklärung, sondern sie hatte auch direkte Konsequenzen für den Fahrtverlauf. Die herbstliche Eisbildung bescherte uns unerwartet schwere Eisverhältnisse, die eher für den Winter typisch sind. Schwere Eisverhältnisse bedeuten langsamere Fahrt und damit Zeitverlust im Vergleich zu einer Planung, die von mittleren Eisverhältnissen ausging. Dieser Zeitverlust musste durch die Reduktion von Stationszeit ausgeglichen werden. Sie erfolgte durch die Vergrößerung des Stationsabstands und damit der Fehlergrenzen bei der Abschätzung längerfristiger Veränderungen. Trotzdem gelang es, die dominierenden Wassermassen so ausreichend zu erfassen, dass der Anschluss an die Veränderungen, die wir auf dem Meridian Greenwich gesehen hatten, gefunden werden konnte. Der Gehalt von Spurenstoffen ist in bisher nicht erreichter Qualität erfasst worden.
Eine besondere Herausforderung stellt die Aufnahme von Verankerungen bei schweren Eisverhältnissen dar. Bei der letzten Verankerung, die wir im Weddellmeer aufzunehmen hatten, führte das Zusammentreffen von hoher Professionalität, die sich mit der Erfahrung von Jahrzehnten (25 Jahre Polarstern) gebildet hat und dem Quäntchen Glück, dass man immer braucht, um erfolgreich zu sein, zur glücklichen Aufnahme bei fast 100% Eisbedeckung. Da die Verankerungen schon drei Jahre liegen und die nächste Möglichkeit erst wieder in 3 Jahren bestünde (wenn die Batterien der Auslöser erschöpft sein werden), gab es keine wirkliche Alternative, als den Versuch zu wagen. Der Erfolg erfüllt uns alle mit Freude und auch Stolz. Damit können wir die Bilanz ziehen, dass nach der erstmaligen Verankerungsdauer von 3 Jahren alle Verankerungen wieder aufgenommen werden konnten. Leider ist aber die Gerätetechnik noch nicht so ausgreift wie unsere Verankerungstechnik. Trotz 100% Aufnahmerate liegt die Datenrate auf Grund von Geräteausfällen niedriger.
Die Auswertung der Daten, die in den verankerten Geräten gespeichert wurden, beginnt schon an Bord. Ein erster Blick zeigt, dass die Folge von Erwärmungs- und Abkühlungsvorgängen, die wir in unseren CTD-Schnitten mit großem zeitlichem Abstand sehen, keine Zufallsergebnisse darstellen, sondern dass sie durch die dazwischen liegenden Messungen mit verankerten Geräten voll bestätigt werden. Eine besondere Herausforderung wird nun darin bestehen, die extremen Eisverhältnisse in Beziehung zu den Wassermasseneigenschaften zu setzen, die neben den atmosphärischen Verhältnissen für die Veränderungen verantwortlich sein können.
Die nächste Woche wird uns in den letzten Teil dieser Reise in die Drakestraße führen, wo im Rahmen eines französischen Programms die Schwankungen des Antarktischen Zirkumpolarstroms gemessen werden sollen.
Mit herzlichen Grüßen aller an Bord
Eberhard Fahrbach


