ANT-XXIV/3 Wochenbericht Nr. 2

Buckelwale umkreisen während der Stationsarbeiten das Schiff (Photo: Torben Stichel)

Der im NIOZ entwickelte Ultrarein-Wasserschöpfer kommt aus dem Wasser. Er wird im GEOTRACES-Programm besonders zur Messung des Eisens in der Wassersäule eingesetzt. (Photo: Ismael Nunez-Riboni)
Sonntag, der 24. Februar 2008
Inzwischen haben wir die ozeanische Polarfront durchquert und damit die Antarktis im Sinne der Ozeanographen erreicht. Entsprechend der Definition der Juristen werden wir aber erst morgen soweit sein, wenn wir den 60. Breitengrad überschritten haben. Nun befinden wir uns im nördlichen Stromband des Weddellwirbels, dieses großräumigen, nierenförmigen Strömungssystems, das den gesamten antarktischen Sektor des Atlantiks ausfüllt. Östlich des Meridians von Greenwich strömt warmes, salzreiches Wasser aus dem Antarktischen Zirkumpolarstrom, das Zirkumpolare Tiefenwasser, nach Süden. Im Westen fließt in der Tiefe das neu gebildete Weddellmeer-Bodenwasser nach Norden. Im Süden folgt der Antarktische Küstenstrom als südlicher Randstrom dieses Wirbels dem Verlauf des Kontinentalabhangs und der Schelfeiskante. In den nächsten Wochen werden wir dieses Strömungssystem zweimal durchqueren. Zuerst von Norden nach Süden auf dem Meridian von Greenwich und dann von Osten nach Westen von Kapp Norvegia zur nördlichen Spitze der Antarktischen Halbinsel quer durch das eigentliche Weddellmeer.
Das Wetter näherte sich antarktischen Verhältnissen. Lufttemperaturen etwas über 0°C, leichter Schneefall. Der Wind pendelt zwischen 6 und 8 Windstärken hin und her. Nachdem die ersten Eisberge noch große Aufmerksamkeit erregt hatten, ist ihre Gegenwart nun zur Gewohnheit geworden. Sie treiben in beachtlicher Zahl im nördlichen Band des Weddellwirbels von der Antarktischen Halbinsel in unseren Bereich. Allerdings sind es nur stark verwitterte Reste und nicht die für die Antarktis typischen imposanten Tafeleisberge.
Die Arbeiten gehen voran, der Stationsabstand von anfänglich 100 Seemeilen hat sich inzwischen auf 30 Seemeilen verringert, da wir unser Hauptarbeitsgebiet erreicht haben. An jeder Station wird eine CTD-Sonde (Conductivity, Temperature Depth) eingesetzt, die uns die Vertikalverteilung von Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Trübung und Fluoreszenz an Bord anzeigt und damit unsere Datenträger füllt. Zusätzlich wird das Strömungsprofil mit dem Akustischen-Doppler-Profilstrommesser (ADCP) gemessen, der an der CTD befestigt ist.
An den Superstationen kommt das ganze Spektrum der Probennahme zum Einsatz. Wir haben inzwischen vier dieser Superstationen durchgeführt, bei denen mit zunehmender Tendenz nun in siebenfacher Folge mit dem Kranzwasserschöpfer, dem Ultrarein-Schöpfer und den in-situ Pumpen Wasserproben für die GEOTRACES-Gemeinde genommen werden, was etwa 20 Stunden dauert. Wir werden uns in späteren Berichten die Vielzahl an Substanzen und deren Bedeutung betrachten, deren Konzentration im Wasser gemessen wird.
Die physikalischen Ozeangraphen bestückten das weltweite Netz von vertikal-profilierenden Driftkörpern (Argo-Floats) inzwischen mit der Auslegung von 14 Floats, die uns von Stephen Riser von der Universität von Washington zur Verfügung gestellt wurden. Sie sollen im Antarktischen Zirkumpolarstrom in den Indischen Ozean driften. In diesem Gebiet haben wir auch eine Serie von 6 Bodendruckmessern mit nach oben gerichteten Echoloten (PIES) aufgenommen und 5 davon wieder ausgelegt. Leider ging ein Gerät bei der Aufnahme verloren. Diese Geräte messen die Veränderungen der Höhe des Meeresspiegels und der Schallgeschwindigkeit in der Wassersäule, was Rückschlüsse auf die Schwankungen des Antarktischen Zirkumpolarstroms erlaubt. Die Verankerungsarbeiten begannen mit der erfolgreichen Aufnahme von drei Verankerungen im Übergangsgebiet zwischen dem Zirkumpolarstrom und dem Weddellwirbel, mit denen der Austausch zwischen diesen Strömungssystemen erfasst wurde. Leider war aufgrund der angespannten finanziellen Situation eine Neuauslegung dieser Geräte nicht mehr möglich, was den Abschluss dieser Untersuchungen erzwingt. Es machte den Eindruck, als ob wir nicht alleine diesen Verlust bedauerten, denn bei zwei Verankerungen bekamen wir während oder nach dem Abschluss der Arbeiten Besuch von Buckelwalen, die interessiert um das Schiff streiften und anscheinend das Verschwinden eines Orientierungspunkts erkannt haben. Für uns war der Besuch dieser Riesen natürlich ein unvergessliches Erlebnis, das die Photographen in vielen MBs fixiert haben.
In der nächsten Woche werden wir unsere Arbeiten auf dem Meridian von Greenwich weiterführen und zum Wochenende die Neumayer-Station erreichen.
Mit den besten Grüßen aller an Bord
Eberhard Fahrbach


