ANT-XXIV/3, Wochenbericht Nr. 1

Die Polarstern von der G.O. Sars aus gesehen (Photo: Kjartan Mæstad, IMR)

Das norwegische Forschungsschiff G.O. Sars und die Polarstern treffen sich im Südlichen Ozean. Der Blick von der Polarstern auf die G.O. Sars (Photo: Carmen Böning)
Sonntag, der 17. Februar 2008
Die erste Woche ist verstrichen, seit wir Kapstadt verlassen haben und wir haben inzwischen die Subtropen verlassen und die Subantarktische Zone erreicht.
Der Hafenaufenthalt in Kapstadt stand im Zeichen des Besuchs der Bundesministerin für Bildung und Forschung Frau Dr. Annette Schavan. Sie kam mit südafrikanischen Ministerkollegen, Würdenträgern und Wissenschaftlern sowie unseren Kollegen vom französischen Forschungsschiff MARION DUFRESNE zu Gesprächen, einem Workshop und einem gelungenen Empfang an Bord. Das Ereignis war sorgfältig vorbereitet worden, und die gute Stimmung der 150 Gäste ist ein sicheres Zeichen für den Erfolg dieser Bemühungen. Der anhaltend stürmische Wind, der am Festzelt auf dem Helikopterdeck rüttelte, vermittelte einen kleinen Vorgeschmack auf die Ereignisse der kommenden Tage.
Er verhinderte nämlich, dass das Schiff mit dem noch ausstehenden CO2-Container in Kapstadt in den Hafen kommen und entladen werden konnte. Wir entschieden uns zu warten, da die Rolle des Südlichen Ozeans als Senke oder Quelle für anthropogenes CO2 eine zentrale Fragestellung unseres Programms darstellt und ohne diesen Container nicht bearbeitet werden konnte. Schließlich wurde das Schiff mit unserem Container nach Port Elizabeth umgeleitet, und so traf er erst in der Nacht auf den letzten Sonntag auf der POLARSTERN ein. Unverzüglich wurde seeklar gemacht, und so begann unsere Reise endlich mit dreieinhalb Tagen Verspätung.
Ehrlicherweise muss man sagen, dass diese Verzögerung nicht nur von Nachteil war. Erstens war es möglich, dass einer unserer niederländischen Kollegen, der zuvor ernsthaft erkrankt war, genügend Zeit zur Genesung hatte und so doch noch an der Reise teilnehmen kann. Zweitens führten die Massen an Material, die aus den schon vorhandenen Containern ausgepackt wurden, in Kürze nahezu zur Bewegungsunfähigkeit an Deck und auf den Gängen. Hätten diese Umstau-Arbeiten alle während der Fahrt und dann noch bei rauer See erfolgen müssen, wäre das kaum zu bewältigen gewesen. So konnte bei ruhig liegendem Schiff Stück für Stück in die Labors geschleppt, ausgepackt und in Betrieb genommen werden. Langsam lichtete sich das Chaos, und aus unübersichtlichen Kistenbergen entwickelten sich betriebsfähige High-Tech-Forschungslabors. Nun war nur noch das lang ersehnte Wasser des Ozeans nötig, den wir mit seiner Vielfalt an Spurenstoffen, die uns Stoffkreisläufe aufzeigen und sie steuern, und seinen Prozessen, die seine Bedeutung für das Klima ausmachen, in den nächsten 9 Wochen beproben und besser verstehen wollen.
Kapstadt verschwand am Horizont, strahlender Sonnenschein mit kräftigem Wind war Regen mit Windstille gewichen. Die Aufbau- und Vorbereitungsarbeiten kamen zum Ende. Als Erstes wurden die Messungen vom fahrenden Schiff aus aufgenommen. Der akustische, profilierende Strömungsmesser (ADCP) und der Thermosalinograph waren unter den Ersten, die Forschungsdaten an Bord lieferten. Dann begannen die Pumpen Wasser für Analysen zu fördern, entweder durch einen Schnorchel im Kiel in das bordeigene Leitungsnetz oder, um besonders reines Wasser zu erhalten, aus einem Schleppfisch, der Wasser neben dem Schiff einsaugt.
Der erste Halt diente zur Aufnahme eines sogenannten PIES (Pressure Inverted Echosounder), der hier verankert war und die Schwankungen der Meeresoberfläche erfasst hat. Während unserer Reise werden mehrere dieser Geräte aufgenommen und erneut für weitere Jahre ausgelegt. Nach Abschluss der Aufnahme begann eine Probestation, bei der ein Wasserschöpfgerät zum Einsatz kam, das besonders dafür ausgelegt ist, Wasserproben zu nehmen, die die Konzentration des im Ozean gelösten Eisens bestimmen lassen. Es ist leicht einzusehen, dass die Messung minimaler Konzentrationen von Eisen im Meerwasser unvorstellbare Ansprüche stellt, da das Schiff überwiegend aus Eisen besteht und trotz der liebevollen Pflege durch die Besatzung in den letzen 25 Jahren den einen oder anderen Rostfleck bekommen hat. Um diesen Einfluss des Schiffes zu vermeiden, wurde im Niederländischen Meeresforschungsinstitut (NIOZ) ein spezieller Probennehmer gebaut. Er besteht aus Titan und wird an einem Kevlardraht gefiert, um alles Eisen aus dem Bereich der Probennahme zu verbannen. Zur Erfüllung dieser hohen Anforderungen entstand ein Ungetüm aus Winde, Stromversorgung und Reinraum-Container, das das Arbeitsdeck nahezu ausfüllt. Zwar war das Gerät schon im vergangen Sommer in der Arktis erfolgreich auf der POLARSTERN eingesetzt worden, doch sind immer wieder Modifikationen notwendig und folglich neue Spannung vorhanden, ob nun alles wie erhofft funktioniert. Der Test verlief erfolgreich, sowohl die Handhabung des Probennehmers von der Größe eines Kleiderschranks, als auch das mechanische und elektronische Verhalten waren zufrieden stellend.
Um Montagabend kreuzte sich unser Kurs mit dem eines norwegischen Forschungsschiffes, der G.O. SARS, das auf dem Weg nach Kapstadt war und sein Programm beendet hatte. Zwei deutsche Kollegen waren an Bord. Obwohl wir an einem gemeinsamen Programm mit im Ozean verankerten Messgeräten arbeiten, musste sich das Treffen auf ein Winken von Schiff zu Schiff, dem Blasen der Hörner und dem anschließendem Austausch von Fotos per Email beschränken, da wir bei der gegebenen Verzögerung keine weitere Zeit verlieren wollten.
Die nächste Teststation galt dem Hauptarbeitsmittel der Ozeanographen, der CTD mit dem Kranzwasserschöpfer. Auch hier war der Erfolg zu vermelden, so dass die Probestation schon für die Forschung verwendbares Wasser und Daten lieferte und man zu Routine übergehen konnte. Diese wurde allerdings durch das Wetter unterbrochen, da uns ein Tief mit 10 Windstärken streifte. Das verzögerte zwar unseren Weg nach Süden, aber es geht voran.
Wie immer das Wetter und die See es zulassen, wechseln sich Stationsarbeiten mit Dampfzeiten ab, wobei wir im nördlichen Bereich des Beobachtungsgebiets noch mit Abständen von fast 200 km zwischen den Stationen arbeiten. Der Schwerpunkt unserer Arbeiten liegt südlich der Polarfront. Die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern auf der MARION DUFRESNE wird es ermöglichen, die Lücken zu schließen und im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/2008 eine Gesamtaufnahme des Seegebiets zwischen Südafrika und der Antarktis ergeben.
Mit den besten Grüßen aller an Bord
Eberhard Fahrbach


