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ANT-XXIV/3, Wochenbericht Nr. 4

Sonntag, den 16. März 2008
 
Inzwischen sind wir im östlichen Weddellmeer angelangt. Die Arbeiten auf dem Schnitt entlang dem Meridian von Greenwich sind abgeschlossen. Wir sind glücklich darüber, dass dieser Teil der Reise trotz der schrecklichen Ereignisse bei der Neumayer-Station und der Wartezeit in Kapstadt noch so vollständig ausgeführt werden konnte, dass die angestrebten Ergebnisse nicht in Frage gestellt sind. Eine längere Phase mit relativ schwachem Wind begünstigte den Fortschritt. Mit 6 „Superstationen“ im Rahmen des GEOTRACES-Programmes, 24 „ultra-reinen“ CTD und 64 „normalen“ CTD Profilen haben wir alle hydrographischen Regionen auf dem Meridian von Greenwich zufrieden stellend mit allen geplanten Parametern erfasst. Wir haben 9 Verankerungen aufgenommen und 5 wieder ausgelegt. Das Netz der vertikal profilierenden Driftkörper wurde um 40 Floats erweitert.

Bei der Aufnahme der letzten Verankerung etwa 12 Meilen vor der Kante des Fimbul-Schelfeises wurden wir auf eine besondere Probe gestellt. Als wir versuchten mit dem Posidonia-System Kontakt zu den akustischen Auslösern aufzunehmen, erhielten wir keinerlei Rückmeldung. Also lösten wir blind aus und warteten ab. Doch keiner der Auftriebskörper erschien an der Oberfläche. Auch der Funkpeiler, der Signale von einem Satellitensender empfangen sollte, der an der Spitze der Verankerung sitzt, empfing nichts. Wir begannen mit dem Schiff Suchkurse zu fahren und schickten den Helikopter los. Kein Erfolg. Als uns klar war, dass die Verankerung nicht mehr vor Ort sein konnte, nahmen wir die Arbeiten mit CTD und Wasserprobennahme wieder auf und arbeiteten uns weiter nach Süden vor. Doch dann kam die große Überraschung von Optimare aus Bremerhaven. Dort werden die Signale der Satellitensender Tag und Nacht überwacht.  Wir erhielten die Meldung, dass der Sender kurz nach der Auslösung aufgetaucht sei, allerdings 7 sm von der Sollposition entfernt. Sofort kehrten wir um, der Helikopter stieg auf und konnte wenig später die genaue Position der Verankerung in einem Eisfeld in wenigen Seemeilen Entfernung melden. Mit der genauen Position ging es dann schnell. Die Verankerung wurde vollständig geborgen. Sie zeigte Beschädigungen, die klar erkennen ließen, dass sie von einem Eisberg verschleppt worden sein musste. Dadurch lag sie in einer Entfernung von der Sollposition, in der unser akustisches Signal zwar stark genug war, um die Auslöser zu aktivieren, das schwächere Bestätigungssignal des Auslösers uns aber nicht mehr erreichte. Der Satellitensender war so tief in den Auftriebskörper hineingedrückt, dass er bei der großen Entfernung in Bodennähe durch die Eisfelder abgeschattet war. Er konnte aber vom Satelliten mit dem Blick von oben erkannt werden. Wir sind glücklich über den guten Ausgang. Allerdings sind beim Verschleppen durch den Eisberg am Eisecholot solche Schäden aufgetreten, dass die aufgezeichneten Daten verloren gingen. Trotzdem ist es ein Erfolg, dass nach erstmaliger Auslegung über drei Jahre alle Verankerungen auf diesem Schnitt geborgen werden konnten. Das zeigt uns, dass unsere Technik inzwischen so ausgereift ist, dass man derartige lange Messzeiträume auch in Zukunft mit gutem Gewissen einplanen kann.

Die hydrographische Aufnahme wird zzt. ausgewertet. Aber schon die vorläufige Betrachtung bestätigt, dass die Abkühlung des Warmen Tiefenwasser nach einer früheren Erwärmung zu Ende ist, und es sich gegenwärtig wieder erwärmt. Es handelt sich also um eine dekadische Fluktuation. Wir können jetzt das Verhalten der atmosphärischen Antriebskräfte mit dem in den 80ziger Jahren vergleichen, um damit eine Erklärung der Antriebsmechanismen dieser Veränderungen zu finden. Das Bodenwasser erwärmt sich weiter. Entweder ist es von den Veränderungen des einströmenden zirkumpolaren Tiefenwassers unabhängig oder es erfolgt die Reaktion so langsam, dass die Fluktuation im Quellwasser durch die Wassermassenbildungsprozesse weggeglättet wird.

Mit den herzlichsten Grüßen aller an Bord.

Eberhard Fahrbach

 

 

 

Der Herbst ist da. Pfannkucheneis im Weddellmeer. (Foto: Charles-Edouard Thuroczy)

Abschied von der Trolltunga am Fimbul-Schelfeis. (Foto: Charles-Edouard Thuroczy)

Das Eisecholot und ein Strömungsmesser aus der Verankerung, die vom Eisberg verschleppt wurde. (Fotos: Charlotte Lohse)

Der Satellitensender, der uns ermöglicht hat, die von einem Eisberg verschleppte Verankerung wieder zu finden. (Foto: C. Lohse)


 
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