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ANT-XXIV/3, Wochenbericht. Nr. 8

Die letzte CTD kommt an Bord. Foto: Charlotte Lohse

Alles späht nach einer Verankerung. Foto: Charlotte Lohse

Wir haben Feuerland erreicht. Foto: Charlotte Lohse

Das Eis der Antarktis liegt lange hinter uns. Foto: Charlotte Lohse

Sonntag, 13. April 2008

Über die Drake-Passage nach Punta Arenas

 

 

Lange haben wir die Eisberge hinter uns gelassen und sind in der nördlichen Drake-Passage angekommen. Die vergangene Woche war vom französisch/koreanischen Verankerungsprogramm geprägt. Es sollten 10 Verankerungen aufgenommen und 5 wieder ausgelegt werden. Leider zeigten sich, wie schon berichtet, bei den aufzunehmenden Verankerungen Probleme mit dem Auftrieb. Bei den meisten von ihnen reichte der verbleibende Auftrieb noch aus. Da sie aber zum Teil mit Verzögerung an die Oberfläche kamen, wurde viel Geduld gefordert. Beruhigend war, dass ihr Aufstieg mit Posidonia überwacht werden konnte. Zwei Verankerungen lösten sich zwar vom Boden, erreichten aber die Oberfläche nicht. Mit zeitaufwändigen Manövern versuchten wir zwar, sie einzufangen, indem wir ein langes Seil über den Grund in Schleifen um sie herum zogen, aber unsere Bemühungen blieben leider ohne Erfolg. Wie immer wir unsere Schleifen legten, was bei 6 bis 7 Windstärken nicht einfach ist, die Verankerungen konnten uns wieder entweichen, so dass wir beide Dredge-Aktionen enttäuscht abbrechen mussten. Die verlorene Zeit konnte nur durch die Einschränkung des CTD-Programms ausgeglichen werden. Trotzdem haben wir viel Glück gehabt, da sich die Drake-Passage mit dem berüchtigten Kap Hoorn uns gegenüber sehr zurückhaltend gezeigt hat. Richtig schlechtes Wetter hat uns erst heute Abend nach der letzten CTD erwischt. Nun dampfen wir bereits vor dem Wind in Richtung Le-Maire-Straße.

 

Unsere Reise war vor allem der Untersuchung der ozeanischen Zirkulation und den davon abhängenden Stoffkreisläufen mit ihrem Einfluss auf das Leben im Meer gewidmet. Als Beitrag zum internationalen Polarjahr 2007/2008 fand sie im Rahmen der CASO- (Climate of Antarctica and the Southern Ocean) und des GEOTRACES-Projekte statt. Ziel war es, Meeresströmungen und die Temperatur-, Salzgehalts- und Spurenstoffverteilungen im Südlichen Ozean zu erfassen. Die Absinkbewegungen im Südlichen Ozean stellen den südlichen Teil der globalen Umwälzbewegung im Ozean dar. Sie bestimmen seine Rolle im Klimageschehen und sind für den Spurenstoffkreislauf von Bedeutung. Unsere Messungen werfen die Frage auf, ob die tief reichende Umwälzbewegung der ozeanischen Wassermassen in der Antarktis nach einer Phase der Schwächung wieder zunimmt. Seit mehr als einem Jahrzehnt konnte beobachtet werden, dass die Temperatur in der Tiefsee im Weddellmeer kontinuierlich zunahm, was darauf schließen ließ, dass die tief reichenden Absinkbewegungen am Rand der Antarktis abgenommen haben. Nun sinken die Temperaturen wieder. Diese Entwicklung der Wassermassen erfolgt zu einer Zeit, zu der das Meereis in der Antarktis im Sommer zunimmt. Dies macht deutlich, dass der Einfluss der globalen Erwärmung vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Schwankungen nicht eindeutig zu identifizieren ist.

 

Besondere Aufmerksamkeit erregt die Tatsache, dass nach Auswertungen von Satellitenaufnahmen durch das NSIDC klar geworden ist, dass der Antarktische Sommer 2007/2008 der eisreichste Sommer war, den es seit dem Beginn der Satellitenaufnahmen gab. Dieser Trend, der im atlantischen Teil des Südlichen Ozeans besonders ausgeprägt ist, steht im Gegensatz zur Entwicklung in der Arktis, wo eine deutliche Abnahme des Meereises im Sommer zu verzeichnen ist. Die gegensätzlichen Entwicklungen in Antarktis und Arktis zu verstehen, ist ein wesentliches Ziel dieser Reise. Da sie aber im Laufe von Jahrzehnten verlaufen und merkliche räumliche Unterschiede aufweisen, reichen die Polarstern-Reisen nicht aus, um sie mit ausreichender Sicherheit zu verfolgen. Deshalb muss eine umfassende Erfassung mit Hilfe autonomer Mess-Systeme erfolgen, die entweder verankert oder frei treibend sind. Sie stellen eine Komponente des Südlichen-Ozean-Observations-Systems (SOOS) dar, das zur Zeit entwickelt wird. Als Beitrag zu diesem System wurden in internationaler Zusammenarbeit 18 verankerte Beobachtungsstationen ausgelegt und 20 geborgen. Mit 3 Jahren Einsatzdauer stellen die jetzt aufgenommenen Systeme einen Rekord auf. Mit der Auslegung von 65 Floats, von denen die im Weddellmeer ausgelegten auch unter dem Meereis Daten erfassen können und bis zu 5 Jahren aktiv bleiben, wurde ein bisher nicht erreichtes Messnetz in diesem Teil der Erde erstellt.

 

Im Internationalen Polarjahr sollen nicht nur neue Erkenntnisse über die Rolle der Polargebiete im System Erde gewonnen werden. Es ist ein zentrales Anliegen, die Öffentlichkeit und insbesondere den Nachwuchs in die aktuelle Forschung einzubeziehen und umfassend zu informieren. Aus diesem Grund waren zwei Lehrer an Bord. Sie haben aktiv an den Forschungsarbeiten teilgenommen und ihren Schülern, Kollegen und auch Zeitungen ihre Erlebnisse regelmäßig über Telefon und Internet vermittelt. Ihre Erfahrungen werden im Rahmen eines Lehrernetzwerks auch in den Unterricht weiterer Schulen und hoffentlich auch in Schulbücher einfließen.

 

Die Expedition wurde von einem tragischen Hubschrauberabsturz bei Versorgungstätigkeiten der Neumayer-Station überschattet, bei dem der Pilot und ein niederländischer Wissenschaftler ums Leben kamen. Ein Helikopter-Techniker und zwei Wissenschaftler wurden schwer verletzt. Eine international unterstützte Flugaktion ermöglichte es, die Verletzten unverzüglich in ihre Heimat zurück zu bringen. Sie sind inzwischen auf dem Weg der vollständigen Genesung. Wir werden unsere umgekommenen Kollegen immer in Erinnerung behalten und möchten ihnen die Ergebnisse dieser Reise widmen.

 

Am kommenden Mittwoch, dem 16. April, wird unsere Reise in Punta Arenas enden. Unser herzlicher Dank gilt Kapitän Schwarze und seiner Besatzung. Wir haben die Höhen und Tiefen dieser Reise gemeinsam durchstanden und fühlen uns allen an Bord tief verbunden.

 

Ich verabschiede ich mich mit den herzlichen Grüßen aller an Bord

 

Eberhard Fahrbach

 

 

 


 
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