ANT XXIII/8, Wochenbericht 5, 31 Dezember 2006
Seit nunmehr fast zwei Wochen läuft das fischereibiologische Programm auf vollen Touren. Die Fänge werden insbesondere von den beiden Hamburgern, Susanne Schöling und Dietmar Pietschok, sowie den Düsseldorfer "Binnenländlern" aus dem "Fisch-Team" zügig wissenschaftlich aufgearbeitet. In wechselnden Zusammensetzungen gehen junge Eisfische, Antarktische Barsche und Aalmuttern ins Netz. Unter den eher seltenen Arten sind Leuchtsardinen, Pharao- und Antarktische Silberfische und allerlei weiteres Getier, für das es im Deutschen keinen Namen gibt. Auffällig sind die enormen Unterschiede in der Ausbeute. So konnten wir bereits von einem Rekord berichten, dem größte Fang, den Polarstern jemals in der Antarktis gemacht hat: 5 Tonnen Marmorbarsch (siehe www.eurekalert.org).
Daneben gibt es aber auch magere Erträge. Die starke örtliche Konzentration stellt für diesen Fisch eine besondere Gefährdung dar. Wenn die kommerzielle Fischerei wieder einsetzen würde, könnte man diese Ansammlungen im Nu ausbeuten und die Bestände wären wieder überfischt. Von den Grundschleppnetzfängen profitieren auch unsere Tintenfisch-Spezilisten, allen voran Elaina Jorgensen aus Seattle (U.S.A.) und Iain Barrat aus Belfast (Großbritannien), die mit einer Kieler Arbeitsgruppe eng zusammenarbeiten. Im nächtlichen Beiprogramm kamen auch schon die Fisch- und Flohkrebsreuse zum Einsatz. Sie werden beködert und anschließend so ausgesetzt, dass sie zum Meeresboden sinken. Nach 1-2 Tagen trennt ein elektronisch-akustisch ausgelöster Haken die Reusen von ihrem Grundgewicht und dank einiger luftgefüllter Auftriebskörper kehren sie zur Meeresoberfläche zurück. Diese Operation hat bisher immer bilderbuchmäßig geklappt. Flohkrebse und Meeresasseln gab es insgesamt reichlich und von guter Artenvielfalt, sehr zur Freude der Spezialisten für diese Tiergruppe, Henri Robert und Cedric d’Udekem d’Acoz aus Belgien. Nur die Fischbiologen warten noch auf entsprechende Erfolge. Auch hier zeigen sich krasse kleinräumige Unterschiede. Mal sind die Knochen der als Ködern verwendeten Fische blitzsauber von den Krebstieren abgenagt und auf den Resten sitzen noch Hunderte dieser Aasfresser, mal bleiben die Köder fast unberührt.
Unsere Walforscherinnen hatten sich in ihrem Programm ja auf die Beobachtungen, Verhaltensstudien und Zählungen von Zwergwalen konzentriert. Sie haben aber nunmehr schon insgesamt acht zusätzliche Arten gesichtet. Das ist weit mehr als ein willkommenes wissenschaftliches "Abfallprodukt", dadurch erweitert sich unser Wissen über das Leben dieser Tiere und ihre Verbreitung in den Ozeanen.
Das Weihnachtsfest haben wir angemessen gefeiert. Am Heiligen Abend gab es zum Abendbrot traditionell Bockwürste und Kartoffelsalat. Im Blauen Salon wurde Julklapp veranstaltet, gesungen und Kapitän Pahl hielt eine kurze Rede, bevor sich alle "Frohe Weihnachten" wünschten. Am ersten Feiertag ging die Arbeit erst um acht Uhr, statt - wie sonst - um sechs weiter. An Weihnachten erinnerten dann nur noch der reiche Bunte Teller, den jeder bekam, das Weihnachtsessen und die drei geschmückten Tannenbäume an Bord. Wenn dieser Wochenbericht die Heimatländer erreicht, wird das Neue Jahr gerade angebrochen sein.
Das gibt mir die Gelegenheit, im Namen der Expeditionsteilnehmer allen, die sich mit uns verbunden fühlen, alles erdenklich Gute für 2007 zu wünschen.
Ihr Julian Gutt


