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ANT XXIII/8, Wochenbericht Nr. 7, 14. Januar 2007

Glücklicherweise kann aus Sicht der auf das Larsen-Gebiet konzentrierten Wissenschaftler an diesem Wochenende von guten Erfolgen berichtet werden. Doch das sah zu Beginn der Woche noch ganz anders aus. Nachdem wir auf der Ostseite der Antarktischen Halbinsel angekommen waren, galt es zunächst, eine Verankerung auszubringen. Sie soll uns Aufschluss darüber erbringen, wie die Strömungsverhältnisse und damit die Nahrungszufuhr für das Bodenleben nach dem Wegbrechen der Schelfeisgebiete sind.

Um über einen möglichst langen Zeitraum Daten zu sammeln, sollte dies unsere erste Aktion im Rahmen der ökologischen Arbeiten sein. Wir hatten uns an Hand der Satelliten-Eiskarten eine eisfreie Stelle im Larsen A Gebiet ausgesucht; ein Eisaufklärungsflug mit dem Hubschrauber hatte das günstige Ergebnis bestätigt. Als wir in der Nacht von Montag auf Dienstag dort ankamen, wurde das Meereis aber immer dichter, dazwischen türmten sich große bizarre Bruchstücke von Eisbergen oder Gletschern auf. Eine fantastische Landschaft, die viele im mitternächtlichen Dämmerlicht sehr genossen.

Für die Verankerung gab es aber keine Chance. Offensichtlich hatte der Gezeitenstrom in kurzer Zeit das Eis gerade hier gegen eine aus kegelförmigen Bergen und Schelfeisresten bestehende kleine Halbinsel geschoben. Wir kehrten um und machten uns schnellstmöglich in Richtung des südlicher gelegenen Larsen B Gebietes auf. Auf diesem Weg schloss uns ein besonders zusammengepresstes Eisfeld abermals ein, diesmal für ganze zwei Tage. Wegen des schlechten Wetters waren auch keine Hubschrauber-Erkundungsflüge mehr möglich.

Genauso plötzlich, wie wir in das dichte Eis geraten waren, kamen wir aber am Mittwoch wieder frei. So begannen endlich am Donnerstag ganz früh unsere ökologischen Arbeiten mit einer "bunten" Abfolge verschiedenster Geräte mit dem großen Bemühen, sie alle zusammen an derselben Stelle einzusetzen, um die Daten später vergleichen und gemeinsam interpretieren zu können.

Die Schwierigkeit eines solchen ganzheitlichen Ansatzes bei der Erforschung des Meeresbodens aber ist die Tatsache, dass es nicht alle Sedimenttypen überall gibt. Im Flachen erbrachte eine erste Erkundung mit dem ROV, dass der Boden ganz erheblich durch Felsen geprägt ist. Die darauf siedelnde Fauna, wenn nicht gänzlich von Eisbergen abgehobelt, ist für die entsprechenden Spezialisten sehr spannend. Diejenigen, die in demselben Ökosystem aber Tiere untersuchen, die im weichen, schlammigen Meeresboden leben, können dort ihre Geräte nicht einsetzen. Glücklicherweise fanden wir gleich nebenan in etwas tieferem Wasser eine Senke, in der sich viel Weichboden angesammelt hat.

Auf diese Weise haben wir nun auf beinahe optimale Weise auf unserer ersten zwei Tage dauernden Kernstation die verschiedenen Komponenten des hiesigen marinen Ökosystems abgearbeitet. Die uns vereinende wissenschaftliche Frage ist nach wie vor die nach der Reaktion der Fauna auf den regionalen Klimawandel. Auch Enrique's Verankerung wurde doch noch ausgebracht, allerdings nun im Larsen B Gebiet.

Wieder einmal werden wir von sonnigem Wetter verwöhnt; das hebt nicht nur die ansonsten auch schon gute Stimmung, sondern erleichtert die Arbeit erheblich. Hinzu kommt eine imposante aus Bergen und Eis geformte Landschaft. Am gestrigen Samstag sind wir zu dem zweiten Kernarbeitsgebiet versegelt, wo wieder dieselbe Gerätereihenfolge abgearbeitet wird. Schnell weicht die Nervosität während der ersten Geräteeinsätze und wird durch Routine abgelöst.

Im Namen aller Wissenschaftler grüßt herzlich von der Polarstern
Ihr Julian Gutt


 
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