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ANT XXIII/8, Wochenbericht Nr. 3, 10. Dezember 2006

Die vergangene Woche auf "Polarstern" stand ganz im Zeichen der Logistik. Zunächst ging es auf einer Strecke von ungefähr 600 km "wie Butter" durch teilweise dichte Eisfelder. Kurz vor Erreichen des Kontinentes wurden die Eisschollen dann deutlich dicker. Doch wir hatten Glück. Beinahe pünktlich erreichten wir das Gebiet vor der Atka Bucht, wo die deutsche Neumayer-Station liegt, die von uns versorgt werden muss. Dort stellte sich allerdings die Lage etwas schwieriger dar. Weite Teile der Bucht, so auch die übliche Anlegestelle am Schelfeis und die beste Alternative dazu im Norden, sind noch von solidem Meereis bedeckt. Es gab aber eine dritte Möglichkeit, noch weiter von der Neumayer-Station entfernt, mit einer 30 m hohen Schelfeiskante, eine besondere Herausforderung an die Hobbyfotografen, manche sogar mit professionellen Ambitionen.

Zunächst mussten Tankschläuche mit dem Hubschrauber auf das Schelfeis hinaufgeflogen werden. Hier befüllte die Polarstern acht jeweils 20000 Liter fassende Diesel-Tanks, die auf großen Schlitten montiert sind und von den Raupenfahrzeugen später zur Station gezogen werden. Ein praktischer Versuch ergab, dass die Kräne der Polarstern jedoch nicht so hoch hinaufreichen, um auch das Stückgut zu entladen. Eine kleine Stelle offenen Wassers nutzte auch gleich unsere spanische Wissenschaftlergruppe, um Tiere zu fangen, die anschließend lebend in Aquarien gehältert werden. Pablo Lopez, Elisabeth Sañe und Laura Alonso werden vor allem am Meeresboden festsitzende Nesseltiere untersuchen. Es geht darum, ob sich solche Organismen nur im Sommer von frischen Algen ernähren oder ob sie unter einer längerfristigen Eisdecke zusätzliche Nahrungsquellen für sich erschießen können. Die Ergebnisse werden maßgeblich zur Beantwortung der Frage beitragen, wie sich die Lebensgemeinschaften unter dem Larsen-Schelfeis an die besonderen Verhältnisse angepasst haben und was sie von denen in "normalen" Gebieten unterscheidet. Für "alte Hasen" war es keine Überraschung, dass der Fang mit dem Agassiz-Trawl so reichhaltig war. Neulinge für dieses Schelf-Ökosystem gerieten aber ins Staunen, allen voran Dorte Janussen. Sie ist unsere Expertin für Schwämme, die hier eine der auffälligsten Tiergruppen am Meeresboden sind.

In der Zwischenzeit hat sich das Eis immer mehr zusammengeschoben. Der Kapitän mit seinen Steuerleuten, unterstützt von den Hubschraubern, hat mit viel Mühe eine Stelle gefunden, wo das Stückgut auf einer soliden Meereisoberfläche entladen werden und auch von der "Landseite" abgeholt werden kann. Immerhin sind noch ungefähr 20 Kilometer bis zur Neumayer-Station zu überwinden. Durch den Eifer aller Beteiligten, wieder unterstützt durch das tolle Wetter, gingen diese logistischen Arbeiten gut voran. Mit großer Erleichterung können wir am heutigen Sonntagabend sagen: "Es ist geschafft!" Dann endlich nehmen wir mit Verspätung Kurs auf die Antarktische Halbinsel, wo unsere meeresbiologischen Arbeiten erst so richtig beginnen sollen.

Die Stimmung an Bord ist außerordentlich gut. Alle Teilnehmer konnten nicht nur einen Spaziergang auf dem Meereis unternehmen und Kaiserpinguine beobachten sondern auch die Neumayer-Station besuchen. Das war bei strahlendem Sonnenschein ein einmaliges Erlebnis!

Im Namen aller Fahrtteilnehmer sende ich herzliche Grüße in die Heimat,

Ihr Julian Gutt


 
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