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ANT XXIII/10, Wochenbericht Nr. 3, 3. Mai 2007

Zeitlicher Verlauf der Ozonkonzentration vor, während und nach Aufenthalt in Las Palmas

Am Freitag bunkern wir 500 t Treibstoff in Las Palmas und alle freuen sich auf einen kurzen Landgang. Um 9:00 kommt der Lotse an Bord, um 10:00 machen wir fest und um 19:00 dampfen wir weiter. Das bringt einen Tag Atmosphären- und Strahlungsmessungen bei nahezu ruhendem Schiff. Leider dürfen wir wegen der Nähe zum Flughafen keine Radiosonden aufsteigen lassen, trotz idealer wolkenarmer Bedingungen.  Samuels UV-Absorptionsspektrometer zur Erfassung der bodennahen Ozonkonzentration erspäht das Land zuerst: Bedingt durch Stickoxidemissionen von Auto- und Industrieabgasen nehmen lokal die Ozonwerte drastisch ab. Zur lokalen Mittagszeit - wenn die Inselbewohner zu Mittag essen und nicht Auto fahren - nehmen die Werte wieder etwas zu. Wir sind wieder in der Zivilisation. Tatsächlich ist die Luftqualität von Las Palmas genauso schlecht wie in großen Städten, zumindest im Hafenbereich.  Die spätere Analyse der Nitratisotope aus den Aerosolfiltern wird hier weitere Informationen zu den lokalen Nitratquellen liefern.


 

Sturm am Morgen...

Seit Freitag ist das Satellitenradiometer IASI wieder operationell und wir setzen die Extraaufstiege während der Überflugszeiten fort.  Bis Samstagabend bleiben wir noch im Einflussbereich des NO-Passats mit vereinzelten Cumuluswolken und gelegentlichen Stratocumulusfeldern. Letztere sind schon die ersten Boten der nordhemisphärischen Westwindzone. Am Sonntag verabschieden wir uns vom Azorenhoch und begrüßen die erste Kaltfront eines Tiefdruckgebiets über der Biskaya. Das darauf folgende typische "Rückseitenwetter" bringt bis einschließlich Montag kräftige Cumuluswolken, aus denen es gelegentlich schauert. Diesen Wolkentyp hatten wir noch nicht in unserer Sammlung.

Am Montag findet mit Kapitän, 1. Offizier, Leitendem Ingenieur und Leitendem Elektroniker das offizielle Abschlussgespräch statt. Wir sind uns alle einig, dass diese Reise problemlos vonstatten ging und wir gut miteinander ausgekommen sind.


 

Verlauf der Maximumtemperatur (Farbe der Kreise), des Tagesmittels der solaren Einstrahlung (Größe der Kreise) und der Windrichtung (Pfeile)

Zur Überraschung unserer Meteorologen und entgegen allen Vorhersagen hat sich in der Biskaya in der Nacht zu Dienstag ein kleines aber intensives Sturmtief aufgebaut und uns voll erwischt. Wir werden unsanft zum Frühstück geweckt. Das Mikrowellenradiometer steht noch, aber eine Lasching ist gerissen, zwei andere sind kurz davor.  Andi vertäut fachmännisch mit Bordmitteln und ich lerne Palstek und Kreuzknoten. Die Datenauswertung schreitet voran und wir überblicken allmählich den Verlauf der Messdaten während unseres Meridionalschnittes, hier am Beispiel des Temperatur- und Strahlungsverlaufes gezeigt.

Leben an Bord: Im Laufe der Woche kündigt sich das Ende der Reise mit Mitteilungen zur Bezahlung der Telefon- und email-Rechnungen, zum letzten Bordverkauf usw. an. Abschlussberichte werden geschrieben. Unsere Vortragsserie endet in dieser Woche mit einem Doppelvortrag von Alexei und John zur Wolken- und Strahlungsmessung sowie einem Vortrag zum neuen Meteosat-Wettersatelliten von mir. Wir bekommen eine Führung durch den Maschinenraum und sind schwer beeindruckt. Auch die Küche dürfen wir mal anschauen und danken dem diensthabenden Koch für das phantastische Essen.
Am Freitag werden die Geräte abgebaut und verpackt sowie die für uns so wichtige Erfassung der meteorologischen Daten an Bord beendet. Damit endet die erste großräumige meridionale Profilmessung der Strahlungs- und Atmosphärenbedingungen, die mit einem Schiff ausgeführt wurde. Im April nächsten Jahres sind wir auf ANT-24-4 im Rahmen von OCEANET wieder mit dabei und damit fällt der Abschied nicht ganz so schwer.

Viele Grüße von Polarstern in Namen aller,
Andreas Macke


 
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