Verankerungen

Abb. 1: Aufbau einer Verankerung
Verankerungen sind autonome Systeme, die mehrere Jahre im Ozean verbleiben, um an einer bestimmten Stelle eine Vielzahl von ozeanographischen Größen in hoher zeitlicher Auslösung zu messen. Damit kann man die Zeit überbrücken, in der kein Schiff vor Ort ist, und doch den Verlauf zeitlicher Veränderungen genau erfassen.
Eine Verankerung besteht aus einem Grundgewicht, einem Seil und den Auftriebskörpern, die das Seil senkrecht in der Wassersäule halten. Am Seil sind Messgeräte befestigt, die z.B. Temperatur, Salzgehalt, Strömungsgeschwindigkeit und Richtung, Eisdicke und die Laute von Meeressäugern in internen Speichern aufzeichnen. Ist die Messzeit zu Ende, so wird mit Hilfe eines akustischen Signals, das mit der Posidonia-Anlage der Polarstern gesendet wird, das Seil mit den Geräten vom Grundgewicht getrennt, worauf es von den Auftriebskörpern an die Meeresoberfläche gezogen wird. Dies kann auch mit dem Posidonia-System verfolgt werden. An der Meeresoberfläche wird ein Satellitensender aktiviert, der an Bord der Polarstern empfangen werden kann. Ist die aufgeschwommene Verankerung nicht mit bloßem Auge zu erkennen, dann hilft das Satellitensignal, sie zu finden. Sollte es an Bord mit dem Empfang Probleme geben, so wird die Position aus Bremerhaven übermittelt.
Im offenen Wasser bereitet die Aufnahme normalerweise kein Problem, allerdings stellt auch der Nebel eine Herausforderung dar. Im Eis muss man die Verankerung entweder akustisch einpeilen und frei brechen oder man hat Glück, dass sich die Auftriebskörper selbst ihren Weg zwischen den Eisschollen an die Oberfläche suchen – und finden. Dann muss sich das Schiff geschickt der Verankerung nähern, ohne sie zwischen den Schollen zu zerquetschen. Die letzten Meter werden mit Hilfe des Mammy-Chairs überwunden, von dem aus eine Seilverbindung zum Schiff hergestellt wird. Doch auch im offenen Wasser ist die Bergung einer Verankerung nicht einfach, wenn der Wind mit einer Stärke bläst, wie es in den hohen Breiten häufig vorkommt. Dann erfordert es besonderes Können der Schiffsführung, das große Schiff gegen den Wind behutsam an die verhältnismäßig kleine Verankerung anzunähern und sie dabei nicht zu beschädigen.

Abb. 2: Auslegung einer Verankerung im Eis (Anker zuerst) und im offenen Wasser (Anker zuletzt)
In der Framstraße werden ohne Unterbrechung seit 1997 im Rahmen der Projekte VEINS, ASOF-N, DAMOCLES und ACOBAR Verankerungen betreut. Dabei sind hauptsächlich Strömungsmesser eingesetzt, die auch die Temperatur erfassen. Die Verankerungen werden jeweils in den Sommermonaten ausgetauscht. Im atlantischen Sektor des Südlichen Ozeans werden seit 1989 auf einem Schnitt durch das Weddellmeer und seit 1996 auf dem Null-Grad-Meridian zwischen 53°S und dem Kontinent langfristige Messungen mit mehreren Verankerungen ausgeführt. Diese Verankerungen werden im Abstand von zwei bis drei Jahren im südlichen Sommer ausgetauscht. Zusätzlich werden Verankerungen mit Schallquellen zur Ortung für RAFOS-Floats unterhalten.

Abb. 3: Die akustische Ortung einer Verankerung
Abb. 4: Aufnahme einer Verankerung mit Hilfe des Ortungssystems Posidonia unter dem Eis

Abb.5 : Die Aufnahme einer Verankerung im Meereis (Photo Eberhard Fahrbach)


