Nordpol Driftstation NP-35: Fesselballonmessungen
Als planetare Grenzschicht (engl.: planetary boundary layer, PBL) wird die unterste Schicht der Atmosphäre vom Boden bis etwa 1500 m bezeichnet. In der Arktis ist diese Grenzschicht durch ein häufiges Auftreten von Temperaturinversionen gekennzeichnet, d.h. durch eine sehr stabile atmosphärische Schichtung, bei der Vertikalbewegungen der Luft unterdrückt werden.
Eine möglichst reale Wiedergabe der planetaren Grenzschicht ist in Klimamodellen von fundamentaler Bedeutung, da hier die unteren Randbedingungen für alle Berechnungen festgelegt werden.
In unserem Projekt werden wir den Zusammenhang der arktischen planetaren Grenzschicht mit mesoskaligen Zyklonen und deren Zugbahnen untersuchen.

Schematische Anordnung des Fesselballonsystems.
Während der Drift von NP-35 wird der Zustand der planetaren Grenzschicht und ihre Variabilität anhand von aerologischen Messdaten analysiert. Ausgewertet werden Radiosondenaufstiege, die zweimal täglich von den russischen Kollegen an der Station durchgeführt werden, sowie Messdaten, die bei früheren Messkampagnen auf Spitzbergen gewonnen wurden. Darüberhinaus wird der AWI-Überwinterer auf NP-35 Messungen mit einem Fesselballonsystem vornehmen. Da der Schwerpunkt der Analysen auf der räumlichen und zeitlichen Charakterisierung der arktischen PBL liegt, ist geplant, bis zu 6 Fesselsonden im Seil zu montieren und so ein meteorologisches Profil über mehrere Stunden hinweg zu messen.
Simulationen mit einem regionalen Atmosphärenmodell werden die Dateninterpretation unterstützen. Mit dem regionalen Klimamodell HIRHAM werden mesoskalige Druck-, Temperatur- und Windfelder erstellt, in denen Zyklonen (Tiefdruckgebiete) und ihre Zugbahnen identifiziert werden. Speziell der Zusammenhang von Zyklonenentwicklung und unterschiedlichen Oberflächenbedingungen (z.B. Meereisbedeckung) wird untersucht.

Fesselsonden in der Startvorbereitung, Spitzbergen.



