Neptuns grüne Gärten - die Seegraswiesen

Eine Landpflanze erobert das Meer: Seegraswiesen sind Herberge und Zufluchtsort für die verschiedensten Wattorganismen
Wogende Wiesen unter Wasser, oder grüner Wattrasen. Haben sie schon einmal bei Ebbe in einer Seegraswiese gestanden? Dicht bei dicht liegen die Blätter neben- und übereinander und dazwischen sowie am Boden, lebt eine Vielzahl verschiedenster Wattorganismen. Kehrt die Flut zurück, so richten sich die Seegraspflanzen langsam im Wasser auf, und Neptuns grüne Gärten verwandeln sich in sonnendurchflutete, wogende Unterwasserwiesen, die den Salzwiesen an Land in nichts nachstehen. Dann schwimmen Fische anstelle von Schmetterlingen umher, das Seegras wogt mit den Wellen statt im Wind, und zwischen den Blättern klettern Krebse, Schnecken und anderes Meergetier statt Ameisen und Käfer. Trotz seines Namens ist das Seegras jedoch kein Gras, sondern gehört zu den wenigen Blütenpflanzen, die trotz ständiger Wasserbedeckung im Meer gedeihen, - was sonst nur Algen können!
Seegraswiesen erfüllen im Wattenmeer wichtige Funktionen. Wurzelgeflechte, welche die Pflanze im Sediment verankern, stabilisieren den Boden und wirken so im Küstenbereich erosionshemmend. Fische, wie Hering, Hornhecht und Stichling sowie andere mobile Wattorganismen nutzen die Seegraswiesen als Lebensraum, Versteck vor Räubern, Laichplatz und Kinderstube. Um so alarmierender ist es, dass die an allen flachen Meeresküsten verbreiteten Seegraswiesen seit einigen Jahrzehnten weltweit stark zurückgehen. Während früher große Mengen angespültes Seegras zum Füllen von "Seegrasmatratzen" oder als Füll- und Isolier- und Dachmaterial beim Hausbau sowie als Dünger etc. genutzt wurden, erfreuen sich heute nur noch im Herbst durchziehende Ringelgänse und Pfeifenten am grünen Seegrasbett, und den reich gedeckten Tisch an dem sie sich so richtig am Grün satt fressen können.


