Es ist nicht alles Butt, was platt ist - die Scholle

Die Scholle wird erst im Alter platt
"Butt pedden" war früher eine beliebte Art des Fischens im Watt, an die sich bestimmt noch viele Insulaner erinnern. Diese Fische sind nicht platt, weil man draufgetreten hat, sondern waren das schon vorher. Allerdings werden sie nicht platt geboren, nach dem Schlüpfen aus den Eiern sehen alle Plattfische zunächst aus wie ganz normale Jungfische, die sich frei im Meerwasser bewegen. Erst im Laufe der Entwicklung wandert ein Auge binnen weniger Wochen von einer Seite auf die andere und der Fisch beginnt zu diesem Zeitpunkt das Bodenleben aufzunehmen.
Was man an der Küste als Butt bezeichnet, gehört den verschiedensten Arten an. Der Wattbutt oder die Flunder, der Goldbutt oder die Scholle und die Kliesche werden im Wattenmeer am häufigsten angetroffen. Steinbutt und Glattbutt sind seltener, aber sehr begehrte Speisefische. Die Scholle ist wohl der häufigste Plattfisch um Sylt. Die orangeroten Flecken auf der pigmentierten Seite des Fisches haben ihm den Namen Goldbutt eingebracht. Alle Plattfische können sich der Farbe des Untergrundes wie ein Chamaeleon anpassen, daher ist dieses Merkmal nicht immer sichtbar. Während der Winter- und Frühjahrs sammeln sich die erwachsenen Schollen der Nordsee in bestimmten, eng begrenzten Laichgebieten in 20 -40 m Tiefe. Hier werden die Eier abgelegt, die frei im Wasser schweben und sich mit den Strömungen verteilen. Noch während des Driftens schlüpfen die Larven und werden vor allem an die Küsten gespült, wo sie in sehr flachem Wasser bei einer Größe von nur einem Zentimeter das Bodenleben aufnehmen. Ab April kann man diese Winzlinge mit etwas Glück im Wattenmeer in Ebbetümpeln in großen Mengen finden. Sie ernähren sich von mikroskopisch kleinen Bodenorganismen und wachsen im Watt äußerst schnell heran. Je größer die Schollen werden, um so tieferes Wasser suchen sie auf. Im Winter verlassen sie das Watt. Das Wattenmeer dient vor allem als Kinderstube für diese Fische. Erwachsene Schollen ernähren sich vor allem von Muscheln und Würmern. Holländische Biologen haben beobachtet daß Schollen den Wattwürmern den Schwanz abbeißen, wenn diese ihre Häufchen produzieren. So haben in Schollenjahren Wattwürmer kürzere Schwänze als in Jahren ohne diesen Räuber. Von der Scholle wiederum ernähren sich Kormoran, Seeschwalben, Seehund, Schweinswal und Mensch. Die Rolle der Fische und somit auch der Scholle im Nahrungsnetz wird an der Wattenmeerstation Sylt untersucht, hier steht im Mittelpunkt welche Bereiche des Wattenmeeres diese Fische aufsuchen und welchen Einfluß sie auf das gesamte Ökosystem haben.


