Was ist grün, groß und wird meist übersehen? Das Schlickgras

Eine Landpflanze im Meer: Das Englische Schlickgras
Englisches Schlickgras auf Sylt? Haben Sie noch nie gesehen? Doch mit Sicherheit! Zum Beispiel der breite Pflanzengürtel direkt vor dem Morsumkliff. Oder die grünen kreisrunden Horste entlang des Hindenburgdammes. Das Englische Schlickgras wächst seit rund 70 Jahren an Sylts Ostküste: Von der unteren Salzwiese bis hinaus in die Wattflächen, wo es bei Hochwasser stundenlang überflutet wird. Im Spätsommer erreicht das Gras sogar eine Höhe von bis zu 70 cm. Doch da Schlickgras keine auffälligen Blüten ausbildet übersieht man es leicht.
Keine Pflanze der Salzwiese wagt sich soweit auf die Wattflächen hinaus wie das bestens an Überflutung angepasste Englische Schlickgras. Entstanden ist diese noch junge Art vor erst ca. 120 Jahren in England als Produkt einer Kreuzung zweier Schlickgrasarten in freier Wildbahn. Da Schlickgras schnell wächst, dichte Stengel und ausgeprägte Wurzeln besitzt wurde es Anfang des 20.Jh. aus England zur Landbefestigung ins europäische Wattenmeer eingeführt. Die erhofften Erfolge waren nur mäßig, aber die Pflanze breitete sich selbstständig entlang der Wattenmeerküsten aus; so kam das Englische Schlickgras auch nach Sylt. Und auch heutzutage besiedelt das Schlickgras immer neue Wattflächen entlang der Sylter Ostküste. Nur der nördlichste Teil zwischen Vogelkoje Kampen und Königshafen blieb bisher weitgehend unbesiedelt. Strömungsarme Gebiete wie die Wattflächen vor dem Morsumkliff sind für das Englische Schlickgras ein idealer Lebensraum. Hier fand in den vergangenen 15 Jahre eine rasche Ausbreitung und Verdichtung der Bestände statt.
Für einige Tierarten des Watts bedeutet die Ankunft der Pflanze eine Veränderung ihres Lebensraumes: Viele Watvögel meiden solche Schlickgras Bestände zur Nahrungssuche. Vermutlich fürchten sie, dass sich Feinde im hohen Gras verstecken könnten. Die vor allem unterirdisch lebenden Wattwürmer flüchten vor dem dichten Wurzelwerk der Pflanze. Strandschnecken heften sich vermehrt an das Gras um nach kleinen Aufwuchsalgen, ihrer Nahrung, zu suchen. Angespülte Grünalgenmatten verfangen sich zwischen den dichten Stengeln des Schlickgrases und bleiben bei Ebbe liegen. Sie bieten einen zusätzlichen Schutz für Strandkrabben, die sich in großer Zahl im Schlickgras verstecken.



