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Tief vergraben im Wattboden - die Sandklaffmuschel

Mit einem dickem Schnorchel, dem sogenannten Siphon, halten Sandklaffmuscheln den Kontakt zur Wattbodenoberfläche

Die Sandklaffmuschel gehört zu den häufigsten Muscheln des Wattenmeeres und kann mit 12-15 cm auch eine stattliche Größe erreichen. Ihre ovalen, weißen Schalen liegen oft auffällig auf dem Wattboden. Um die Sandklaffmuschel lebend zu sehen, muss man allerdings in die Tiefe graben. Die erwachsenen Tiere leben nämlich etwa 20 cm tief im Wattboden und nur ein etwa Fingernagel großes ovales Loch auf dem Wattboden verrät dem geübten Auge den Aufenthalt der Muschel. Das Loch wird durch einen Schnorchel erzeugt, mit dem die tiefsitzende Muschel Kontakt zur Oberfläche hält. Über diesen Schnorchel strudelt sie bei Flut das Meerwasser durch ihren Körper und versorgt sich so mit Sauerstoff und kleinen Algen, von denen sie sich ernährt. Im Frühjahr ist Fortpflanzungszeit. Auf ein bislang noch unbekanntes Signal, meist im Mai oder Juni, geben die Männchen und Weibchen gleichzeitig ihre Spermien und Eier ins Wasser ab. Aus dem befruchteten Ei entsteht eine Schwimmlarve, die etwa 2-4 Wochen durchs Wasser treibt bevor sie sich auf dem Wattboden niederlässt. Diese jungen Muscheln sind nur wenige Millimeter groß und eine beliebte Speise für Krebse, Fische und Vögel. Deshalb beeilt sich die Muschel schnell zu wachsen und tiefer in den Boden zu graben, denn dort ist sie vor ihren Feinden sicher (außer vor grabenden Wattwanderern und Forschern). Allerdings kann die erwachsene Muschel sich nur noch wenig bewegen und ist zu keinem Standortwechsel mehr fähig. Wird die erwachsene Sandklaffmuschel ausgegraben, so zieht sie ihren mit Wasser aufgepumpten Schnorchel zwischen die Muschelschalen zurück und gibt einen feinen Wasserstrahl in beachtlicher Fontäne ab. Durch dieses Verhalten hat sie sich im Volksmund auch den Namen Pissmuschel eingehandelt. Obwohl heute sehr häufig, gab es die Sandklaffmuschel vor rund 700 Jahren noch nicht im Wattenmeer. Nach einer Theorie haben die Wikinger sie bei der Überquerung des Atlantiks etwa im 13. Jahrhundert als Nahrungsproviant von Amerika mit nach Europa transportiert. Nach Ende des zweiten Weltkrieges diente die Sandklaffmuschel kurzzeitig auch als Nahrungsmittel an der Nordseeküste, doch heute spielt sie kulinarisch keine Rolle mehr. Das ist eigentlich erstaunlich, denn geschmacklich kann sie locker mit der Miesmuschel mithalten und in Nordamerika wird sie als ausgesprochene Delikatesse gehandelt.


 
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