Der Sanderling: Sylt ist Out - Rømø ist In

Sanderlinge (Calidris alba) am Spülsaum des Sylter Weststrandes
Auf dem Deich nicht zu übersehen sind im Frühjahr oder Herbst die Menschen mit ihren Ferngläsern. Angelockt werden sie durch hundertausende von Zugvögeln, die bei Ebbe nach Nahrung suchend unsere Wattflächen besiedeln. Hier tanken sie Energie auf für ihren Weiterflug in die Brut- oder Überwinterungsgebiete. Im Gegensatz dazu wird der Strand recht spärlich von Vögeln besiedelt. Ein Vogel jedoch, der wohl jedem Spaziergänger durch seine unnachahmliche Art an der Wasselinie schnellen Schrittes entlang zu tippeln auffällt, kann man an fast jedem Sandstrand der Welt beobachten. Der Sanderling brütet in der Kanadischen Arktis, Nordostgrönland, Spitzbergen und der Taimyr-Halbinsel in Westsibirien. Die fast 10 Monate dauernde Nichtbrutzeit verbringt er vorwiegend an den sandigen Meeresstränden der gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel. Rennt der Sanderling zügig an der Wasserlinie entlang ist er auf der Jagd nach kleinen Krebsen, Würmern, Muscheln oder Schnecken. Gerade in dem von der Welle aufgeweichten Sand kann er seine Nahrung leichter erbeuten.
Forscher der Lister Wattenmeerstation beobachteten, dass am Weststrand der dänischen Nachbarinsel Rømø fünf mal mehr Sanderlinge vorkommen als am Sylter Weststrand. Warum bevorzugt der Sanderling Rømø vor Sylt? Die Lösung liegt auf der Hand und wurde durch Untersuchungen bestätigt. Die Beute der Sanderlinge - Würmer und Krebse - mögen die starke Brandung und den groben Sand auf Sylt nicht so sehr, wie die ruhigeren Verhältnisse und den feineren Sand auf Rømø. So sind sie dort in größeren Beständen vorhanden. Und wer würde nicht einen vollen Freßnapf einem leeren vorziehen?


