Der Plattwurm - Gefräßiger Winzling im Wattenmeer

Ein gefräßiger Winzling: der Plattwurm Promesostoma marmoratum
Mit blossem Auge leider nicht zu erkennen ist eine Vielzahl von winzigen Tieren, die in den Lücken zwischen den Sandkörnern im Watt und am Strand lebt. Meist weniger als ein Millimeter groß und mit hoher Beweglichkeit ausgestattet sind sie hervorragend an das Leben im Labyrinth der Sandlücke angepasst. Dort findet sich eine ernorme Artenvielfalt an kleinen Bodentieren mit entsprechend vielfältigen Lebens- und Ernährungsweisen. Einige von ihnen fressen Bakterien, einzellige Algen und organische Reste, aber auch räuberische Arten sind unter den Winzlingen zu finden. Da jedoch Nahrungsuntersuchungen an diesen kleinen Tieren sehr schwierig und zeitaufwendig sind, ist von der Mehrzahl der sogenannten Sandlückenfauna die Art der Nahrung und deren Menge nicht bekannt. Ihr Nahrungsnetz ist daher für uns auch heute noch größtenteils eine "black box".
Untersuchungen der Lister Wattenmeerstation haben ergeben, dass der Plattwurm Promesostoma marmoratum ein gefräßiger Räuber ist. Er lebt im Watt und ist durch ein zebraartiges Streifenmuster auf dem Rücken leicht zu erkennen. Kleine Hüpferlinge, die eine ähnliche Größe haben wie er selber, sind seine Beute. Treffen Räuber und Beute aufeinander schleudert der Plattwurm schleimige Fäden aus und spinnt den Hüpferling durch ständiges umschwimmen mit diesen ein. Dieser wehrt sich am Anfang mit heftigem Zappeln, nach einiger Zeit jedoch erlahmen seine Bewegungen. Schließlich stülpt der Plattwurm seinen Magen in der Hüferling hinein und saugt ihn vollständig aus. Übrig bleibt nur dessen feste Hülle aus Chitin. Im Durchschnitt frißt ein Plattwurm einen Hüpferling pro Tag und nimmt so 50% seines Eigengewichtes an Nahrung auf! Diese Gefräßigkeit der Plattwürmer beeinflusst die Anzahl der Hüpferlinge im Watt und letzlich das gesamte Gefüge der Sandlückenfauna. In der Nahrungskette der Winzlinge stellen die räuberischen Plattwürmer vermutlich ein Endglied dar.


