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Miesmuschel - Klärwerke des Meeres

Millionenbevölkerung Miesmuschelbank im Sylter Wattenmeer

Jeder Wattführer ist mit einem Spaten bewaffnet um seiner staunenden Gruppe die vielen Würmer und Muscheln zu zeigen, die sich im Wattboden verstecken. Eine Muschel hat dieses Versteckspiel nicht nötig: die Miesmuschel. Sie ist, neben der eingeschleppten Pazifischen Auster, die einzige Muschelart des Wattenmeeres, die das gefährliche Leben auf dem Boden wagt. Ein Dasein, was ein hohes Maß an Anpassung erfordert. Die kräftigen und schnell zu verschließenden Schalen der Muscheln schützen die Tiere vor Räubern und der sengenden Sonne, wenn das Wasser bei Ebbe in die freie Nordsee fließt. Auch starker Wellenschlag auf den Wattflächen kann den Miesmuscheln nur wenig anhaben. Mittels in ihrem Fuß gebildeten, kräftigen Fäden verspinnt sich jede einzelne Muschel mit einem Vielzahl ihrer Artgenossen. Es entsteht ein lebender Teppich auf dem Wattboden, der aus Millionen einzelner Muscheln besteht. Diese Muschelbänke gehören zu den wichtigsten Strukturen, die das Wattenmeer bieten kann. Jede einzelne Miesmuschel filtert etwa 15 Liter Meerwasser pro Tag und befreit das Wasser von winzigen Algen und Schwebstoffen, von denen sich die Tiere ernähren. Diese enorme Filtrationsleistung gibt ihnen die Bedeutung von Klärwerken unserer Küsten, denn das Wasser des gesamten Wattenmeeres passiert die Muscheln innerhalb weniger Tage.
 
Die ökologische Bedeutung der Muschelbänke geht aber noch viel weiter. Sie bilden auf dem Wattboden eine zusätzliche Struktur aus, die von einer Vielzahl von Organismen genutzt wird, die sonst im Wattenmeer gar nicht vorkommen würden. Forscher der Sylter Wattenmeerstation haben auf und zwischen den Muscheln weit mehr als 100 verschiedene Tier- und Algenarten gefunden. Eine Oase der Artenvielfalt in dem sonst eher artenarmen Lebensraum Wattenmeer. Doch sie sind bedroht. Seit den 1950er Jahren hat sich eine intensive Miesmuschelfischerei entwickelt, die unseren hohen Bedarf an Muschelfleisch deckt. Vor allem Muschelbänke in den tiefen, nicht trocken fallenden Bereichen des Wattenmeeres werden so stark befischt, dass natürliche Bänke hier praktisch nicht mehr extistent sind. Untersuchungen der Meeresbiologen in List haben aber gezeigt, dass gerade diese Muschelbänke eine unglaubliche Vielfalt an den verschiedensten Meeresorganismen aufweisen. Nur ein Umdenken in der Fischereistrategie kann diese Schätze der Formen- und Farbenvielfalt unserer Küsten vor dem Niedergang retten.


 
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