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Hauttang – Sushi mit Uhr?

Der Hauttang - Eine dünne Alge mit ganz schön viel drin

Der Hauttang - Eine dünne Alge mit ganz schön viel drin

Aufmerksame Strandgänger haben vielleicht schon mal an Buhnenresten, Steinschüttungen oder auch an den Tetrapoden nahe der Hörnumer Südspitze dunkle, rotbraune bis schwarze "Algenlappen" beobachtet. Hierbei handelt es sich um Rotalgen der Gattung Porphyra, die während des Niedrigwassers zu pergamentartigen Strukturen eintrocknen. Viele kennen Porphyra-Algen jedoch auch ohne es zu wissen: In mehreren Schichten getrocknet werden sie in Japan zu den so genannten "Nori" verarbeitet, die vor allem zur Umhüllung von Sushi-Häppchen verwendet werden. Kultiviert wird die Alge in Japan bereits seit dem 17. Jahrhundert, wobei der Lebenszyklus erst 1949 aufgeklärt werden konnte: Er verläuft über ein winzig kleines Zwischenstadium, das in Muscheln lebt. Aufgrund dieser Erkenntnis  wurden die Kultivierungstechniken der Alge optimiert. Heutzutage beträgt die jährliche Produktion weltweit circa 900 000 Tonnen im Wert von zwei Milliarden Euro.

Aufgrund dieser wirtschaftlichen Bedeutung zählt Porphyra auch zu den am besten untersuchten Meeresalgen. So wurden zum Beispiel bereits Teile des Erbguts entschlüsselt und einige Arbeitsgruppen arbeiten sogar an der Entwicklung genetisch veränderter Porphyra-Algen.
     
An der Wattenmeerstation in List auf Sylt ist man vor allem an der "inneren Uhr" dieser Alge interessiert: Porphyra weist eine ausgeprägte Tag-/ Nachtrhythmik beim Wachstum auf. Diese bleibt auch unter Dauerlicht und konstanten Temperaturen im Labor erhalten und zeigt eine Periodenlänge von etwa 24 Stunden. Daher kann man davon ausgehen, dass Makroalgen, wie andere Organismen auch, eine biologische Uhr besitzen. Um dies zu erhärten, wird die Auswirkung der "inneren Uhr" auf die Aktivität bestimmter Algengene molekularbiologisch untersucht.
     
Doch das ist noch nicht alles: In Porphyra wurde das auch im Menschen vorkommende Hormon Melatonin entdeckt. In vielen Organismen ist diese Substanz eng an die "innere Uhr" gekoppelt. So werden in den USA Melatonintabletten zur Behandlung von Jetlag eingenommen, mit der die biologische Uhr nachgestellt werden kann. Ob auch in Porphyra ein Zusammenhang zwischen Melatonin und der biologischen Uhr besteht, ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass es keinen Sinn macht, diese Algen gegen Jetlag zu essen. Dazu sind die gemessenen Konzentrationen viel zu gering!


 
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