Ein Krebs mit Ritterrüstung: der Einsiedlerkrebs

Ein Einsiedlerkrebs ist gut verpackt
Der Einsiedlerkrebs ist schon eine merkwürdige Laune der Natur. Normalerweise haben Krebse einen festen Panzer, der sie vor ihren Feinden schützt. Anders der Einsiedlerkrebs. Sein ungeschützter, weicher Hinterleib zwingt ihn, eine stabile und tragbare Behausung zu suchen. Die findet er in leeren Schneckengehäusen, in die er rückwärts hinein schlüpft. Sein Hinterende ist so geformt, dass es bestens in die Windungen der Gehäuse passt und somit gut verpackt ist. Um die Abwehr vor Feinden perfekt zu machen, sitzen zusätzlich auf den Schneckenhäusern der Einsiedlerkrebse fast immer rot gefärbte Stachelpolypen. Sie überziehen das Schneckenhaus mit ihrer pieksigen Oberfläche und verteidigen es mit giftigen Nesselkapseln. Mit dieser vor Abwehr strotzenden Rüstung macht sich der Krebs auf die Nahrungssuche, die vorwiegend aus kleinen Würmern des Wattbodens besteht. Von diesen Beutezügen profitieren auch die huckepack genommenen Stachelpolypen: In ihren Tentakeln verfangen sich Würmer, die dem Krebs entkommen sind. Damit profitieren in der Lebensgemeinschaft Einsiedlerkrebs-Stachelpolyp beide Partner von der Beziehung.
Die Häufigkeit von Einsiedlerkrebese ist vom Angebot an leeren Gehäusen abhängig. Auch ihr Wachstum steht im engen Zusammenhang mit der Zahl an leeren Schneckengehäusen: Wächst ein Krebs, wird seine Behausung oft zu klein und er muss sich ein neues, größeres Schneckenhaus suchen. Ist dieses aber nicht vorhanden, stellt der Einsiedlerkrebs sein Wachstum solange ein, bis wieder genügend "Wohnungen" angeboten werden. Somit sind die Schneckenschalen für den Einsiedlerkrebs zwar eine hervorragend schützende Rüstung, aber auch ein Handicap, um das sich ihr ganzes Leben dreht.


