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Mit Saugnäpfen gegen die Strömung - das Bärtierchen Batillipes mirus

Mit Saugnäpfen an Sandkörnern verankert: das Bärtierchen

Mit Saugnäpfen an Sandkörnern verankert: das Bärtierchen

Für jeden Spaziergänger am Strand ist sicherlich der Spülsaum mit Muschelschalen, Seetang, Quallen und Treibholz das augenfälligste in einer sonst zunächst eher unbelebt erscheinenden Landschaft. Unter jedem Fußtritt verbergen sich jedoch hunderttausende von mikroskopisch kleinen Tieren wie Krebse, Würmer, Räder- und Bärtierchen. Die Untersuchung dieser vielfältigen "Sandlückenfauna" mit ihren Lebensweisen ist seit mehr als 40 Jahren einer der Forschungsschwerpunkte der Sylter Wattenmeerstation in List. Insgesamt wurden an den Stränden der Insel Sylt rund 800 Arten der kleinen Bodentiere entdeckt. Dies ist eine vergleichbare Artenvielfalt, wie man sie in einem mitteleuropäischen Laubwald findet.

Zu den Bewohnern im Sandstrand gehört auch das Bärtierchen Batillipes mirus mit einer durchschnittlichen Körperlänge von 0,6 Millimetern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Winzlingen, die schnelle Schwimmer sind, bewegt sich Batillipes ausschließlich kletternd mit nur einer Geschwindigkeit von 0,1 Millimeter pro Sekunde zwischen den Sandkörnern fort. Nimmt er eine starke Wasserströmung wahr, hört Batillipes sofort mit seiner Wanderung auf und schmiegt sich mit den Haftscheiben an seinen Beinen dicht an ein Sandkorn.

Diese Haftscheiben funktionieren wie ein Saugnapf und schützen ihn vor einem Verdriften mit der Wasserströmung, die bei jeder auf den Strand schlagenden Welle in der Sandlücke entsteht. Einige Bärtierchen können lebensgefährdende Veränderungen ihrer Umwelt in einem Trockenstadium überdauern. Durch Wasserabgabe und Einschrumpfen des Körpers bilden sie so genannte "Tönnchen", die gegen Kälte, Hitze und Trockenheit außerordentlich widerstandsfähig und leicht durch Wind und Wasser verbreitbar sind. Kommt es zu einer Befeuchtung, quellen die Tönnchen ähnlich einem Schwamm wieder auf, und innerhalb weniger Minuten oder Stunden können die Bärtierchen ihre volle Aktivität und Gestalt wiedererlangen. Solche und viele weitere Anpassungen und Lebensweisen gibt es in der ungeheuren Vielfalt und faszinierenden Welt der Sandlückenfauna zu entdecken.


 
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