Die Deutsche Grönland Expedition 1930/31
- Johannes Georgi - Leiter von Wegeners Station "Eismitte"
- Fritz Loewe - Begleiter Alfred Wegeners nach "Eismitte"
- Ernst Sorge - ein Überwinterer in Wegeners Station "Eismitte"
Am 1. April 1930 verlassen 14 deutsche Teilnehmer der Hauptexpedition Kopenhagen an Bord der "Disko". Am 8. April nehmen sie auf Island Pferde und drei isländische Begleiter auf. Ende April wird das Expeditionsgut in Holstenborg in Südgrönland auf das eisgängige Schiff "Gustav Holm" umgeladen. Mit an Bord befinden sich zwei Propellerschlitten, auf die Wegener für die Transporte zur Errichtung seiner zentralen Firnstation die größten Hoffnungen setzen wird.
Doch das Unternehmen steht von Anfang an unter keinem glücklichen Stern: Die "Gustav Holm" kann die grönländische Westküste vor Umanak wegen einer zu festen Eisdecke nicht erreichen. Sechs Wochen Wartezeit folgen - wichtige Zeit, die beim Aufbau der Stationen fehlen wird. Am 16. Juni endlich beginnt das Eis zu "gehen" und das Ausladen kann vorangehen. Für den Transport der Propellerschlitten auf das etwa 1000 Meter hoch gelegene Inlandeis müssen eigens Wege gebaut werden. Doch auch diese Mühe scheint umsonst gewesen zu sein: Die Propellerschlitten versagen angesichts des tiefen Neuschnees und der ungenügenden Motorenleistung ihren Dienst. So muss die Versorgung der zentralen Station "Eismitte" mit althergebrachten Hundeschlitten erfolgen.
Dreimal erreichen die Hundeschlitten die zentrale Firnstation, doch sie können den Proviant der Station nicht genügend aufstocken. Wegener will gerade zu einer vierten Reise aufbrechen, als ihn ein Brief Georgis und Sorges erreicht, in dem es heißt, sie würden bei ungenügender Versorgung die Station am 20. Oktober mit Handschlitten verlassen. Das versucht Wegener zu verhindern, schließlich steht das Expeditionsziel auf dem Spiel. Obwohl unterwegs ein Großteil des Proviants verloren geht, setzen er, Fritz Loewe und Rasmus Villumsen ihren Weg nach "Eismitte" fort - bei Temperaturen bis -54 Grad Celsius. Am 30. Oktober erreichen sie die Station. Georgi und Sorge haben sich inzwischen in den Firn eingegraben und zur Überwinterung entschlossen. Nach einem aufmunternden Zusammensein verlassen verlassen Wegener und Rasmus Villumsen "Eismitte" schon am 1. November 1930 und machen sich auf den Rückweg. Es ist Wegeners 50. Geburtstag. Loewe bleibt zurück, da seine Zehen erfroren sind.
Sie werden die "Weststation" nicht erreichen. Wegeners Leichnam wird im Mai 1931 gefunden, sorgsam in seinen Schlafsack eingenäht. Rasmus Villumsen bleibt verschollen. Die Expedition wird von Alfred Wegeners Bruder Kurt Wegener zu Ende geführt.
Johannes Georgi - Leiter von Wegeners Station "Eismitte"
Johannes Georgi wird am 14. Dezember 1888 in Frankfurt/Main geboren. Er studiert in Göttingen, Zürich und Marburg Mathematik und Physik. 1910 ist er in Marburg Hörer des jungen Privatdozenten Alfred Wegener, der gerade von seiner ersten Grönlandexpedition zurückgekehrt ist.
Im Ersten Weltkrieg ist Georgi im Wetterdienst der Marine tätig und wird so zum Meteorologen. Nach dem Krieg kommt er 1919 an die Meteorologische Versuchsanstalt der Deutschen Seewarte in Hamburg, deren Leiter damals Alfred Wegener ist.
In den Sommern 1926 und 1927 führt er an der Nordwestspitze Islands Messungen der Höhenwinde durch. Er entdeckt dabei den so genannten Jet Stream. Georgi ist wesentlicher Mitinitiator des 2. Internationalen Polarjahres 1932/33, das genau 50 Jahre nach dem ersten Polarjahr 1882/83 angesetzt wurde. Er ist überzeugt, dass zum Verständnis des allgemeinen Kreislaufs im Luftmeer der höheren Breiten eine eingehende Untersuchung nötig ist. Er hat den Plan, dafür eine Beobachtungsstation auf dem Inlandeis Grönlands zu errichten. Das trifft sich mit weiterreichenden Plänen Wegeners für ein meteorologisch-glaziologisches Profil über das gesamte grönländische Inlandeis mit drei Stationen. Georgi wird als Leiter von Wegeners zentraler Firnstation, später "Eismitte" genannt, vorgesehen. Der Briefwechsel zwischen Georgi und Wegener zur Expeditionsvorbereitung ist im Wegener-Archiv erhalten. Im Juli 1930 leitet Georgi die erste Hundeschlittenreise zur Errichtung dieser Station.
Als im Mai 1931 die seit sechs Monaten erste Schlittenexpedition von der "Weststation" aus die Station "Eismitte" endlich erreicht und der Tod des Expeditionsleiters Alfred Wegener bekannt wird, entschließt Georgi sich, allein in "Eismitte" zu bleiben. Er will das geplante volle Beobachtungsjahr sichern. Nach der Expedition kehrt Georgi an die Deutsche Seewarte in Hamburg als Leiter des Instrumentenamtes zurück. Dass die Wegener-Expedition ihn Zeit seines Lebens gefangen hält, geht deutlich aus seinem ebenfalls im Wegener-Archiv erhaltenen Briefwechsel mit Fritz Loewe hervor. Georgi stirbt am 24. Mai 1972 in Hamburg.
Fritz Loewe - Begleiter Alfred Wegeners nach "Eismitte"
Fritz Loewe wird am 11. März 1895 in Berlin geboren. Nach dem Studium wird er Assistent an der Höhenflugstelle des Aeronautischen Observatorium Lindenberg bei Berlin, wo er Alfred Wegener kennen lernt. Von 1929 bis 1931 nimmt Loewe an Wegeners Vor- und Hauptexpedition nach Grönland teil.
Um die Versorgung der Überwinterungsstation "Eismitte" auf dem grönländischen Inlandeis zu sichern, unternimmt Wegener im fortgeschrittenen Herbst noch eine vierte Hundeschlittenreise, bei der ihn Fritz Loewe und 13 grönländische Helfer begleiten sollen. Diese Reise bricht wegen katastrophaler Witterungsbedingungen als Lastreise zusammen. Alle grönländischen Begleiter bis auf einen kehren zur Westküste zurück. Nur Wegener, Fritz Loewe und der junge Rasmus Villumsen setzen den Weg bei Temperaturen bis zu -54 Grad Celsius fort, um die "Eismitte"-Besatzung wenigstens darin zu bestärken, trotz Mangellage die Überwinterung durchzustehen.
Bei der Ankunft in "Eismitte" sind Fritz Loewe sämtliche Zehen erfroren. Johannes Georgi, Meteorologe und Feinmechaniker, amputiert sie ihm wenig später mit primitivsten Hilfsmitteln: mit Blechschere und Taschenmesser. Loewe muss als dritter in "Eismitte" überwintern - und überlebt auf diese Weise. Wegener dagegen und sein letzter Begleiter Rasmus Villumsen, die am 1. November 1930 die Rückreise zur Weststation antraten, sterben unterwegs.
Fritz Loewes im Wegener-Archiv erhaltene Tagebuch, das über seine Reise zur Station "Eismitte" berichtet, ist das letzte erhaltene Zeugnis über das Leben Alfred Wegeners. Nach bekannt werden von Wegeners Tod im Mai 1931 übernimmt Loewe für kurze Zeit die Leitung der Expedition, bis die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft Wegeners Bruder Kurt zu diesem Zweck nach Grönland sendet.
Im "Dritten Reich" muss Loewe als Jude mit seiner Familie emigrieren. Nach einer Zwischenstation am Scott Polar Institute in Cambridge findet er schließlich eine Anstellung an der Universität Melbourne, wo er das Meteorologische Institut aufbaut. Im fortgeschrittenen Alter nimmt Loewe als australischer Vertreter an einer französischen Expedition in die Antarktis teil und fügt damit seiner früheren Überwinterung in Grönland noch eine in der Antarktis hinzu. Seinem Freund Georgi, dem einstigen Stationsleiter von "Eismitte", berichtet er, der ihn für die Überwinterung begutachtende Arzt habe ihm bescheinigt, ihm fehle nichts, außer dem gesunden Menschenverstand".
Auch nach seiner Emeritierung im Jahre 1961 ist Loewe noch als Dozent tätig, unter anderem als Gastdozent am Institute for Polar Studies in Columbus, Ohio. Diese Tätigkeit verbindet er stets mit ausgedehnten Weltreisen, in denen er auch regelmäßig Deutschland einen Besuch abstattet. Im Jahre 1971 hält er auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung in Bad Harzburg den Festvortrag über "Alfred Wegener und die moderne Polarforschung".
Ernst Sorge - ein Überwinterer in Wegeners Station "Eismitte"
Ernst Sorge wird am 25. Februar 1899 in Vieselbach/Thüringen geboren. Der Geographielehrer und Studienrat wird von Alfred Wegener aufgefordert, als Glaziologe an der von ihm ausgerichteten Grönlandexpedition teilzunehmen. Zusammen mit Fritz Loewe und Johannes Georgi nimmt er 1929 an der Vorexpedition zu Alfred Wegeners Deutschen Grönland-Expedition teil.
1930 1930/31 gehört Sorge zusammen mit Georgi und Loewe zu den Überwinterern von Wegeners zentraler Station "Eismitte". Sorge ist für die glaziologischen Untersuchungen in "Eismitte" zuständig. Er baut während der Überwinterung einen 16 Meter tiefen Schacht, in dem er Dichte- und Temperaturmessungen durchführt. Im Sommer 1931 unternimmt Sorge in "Eismitte" seismische Eisdickenmessungen. Bei diesen werden aufgrund künstlicher Sprengungen Reflexionsmessungen durchgeführt, die auf eine Eisdicke von bis zu 2600 Meter schließen lassen. 1932 ist Ernst Sorge zusammen mit Fritz Loewe wissenschaftlicher Berater der Dr. Fanck-Grönlandexpedition, die Aufnahmen für den Film "SOS Eisberg" macht. 1935 leitet Sorge eine private Expedition nach Spitzbergen.
Er stirbt am 28.4.1946 in Arnstadt/Thüringen.


