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Alfred Wegener und sein Elternhaus

Der junge Alfred Wegener (Aufnahme von 1904)

  • Else Wegener, geb. Köppen
  • Kurt Wegener
  • Wladimir Köppen
  • Gedenkstätte Zechlinerhütte

 

Alfred Lothar Wegener wird am 01. November 1880 in Berlin geboren. Er entstammt einer in der Mark Brandenburg und kleineren Orten Schlesiens ansässigen Pastoren-Familie. Die Tradition des Pastorenberufs ist mehrere Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben worden. Doch die Brüder Kurt und Alfred Wegener haben seit ihrer Jugendzeit nur ein Ziel: Sie wollen Polarforschung betreiben.

Die Ahnenreihe der Wegeners lässt sich bis in die Lutherzeit zurückverfolgen. Theologen prägen das Bild der Familie, nur vereinzelt tauchen Lehrer und Kaufleute auf. Prominenz weist die Stammtafel nicht auf. Einzig Gabriel Wilhelm Wegener (1767-1837), ein Bruder des Urgroßvaters, hat als Jugend- und Studienfreund des Naturforschers und Weltreisenden Alexander von Humboldt (1769-1837) eine gewisse Bekanntheit erlangt. Und Paul Wegener (1874-1948), ein Vetter Alfred Wegeners, war als Schauspieler in Berlin bedeutend.

Alfred Wegener ist das jüngste von fünf Kindern. Zwei seiner Geschwister sterben früh, sein Bruder Kurt (später ebenfalls Naturwissenschaftler) und seine Schwester Tony (sie wird Malerin) werden ihn überleben. Das Elternhaus ist geprägt von humanistischer Bildungstradition, verbunden mit preußischer Pflichterfüllung und einem ausgesprochen starken Verantwortungsgefühl. Diese Maximen halten die Eltern, Richard und Anna Wegener, ganz im Sinne der Familientradition aufrecht. Sie leben zurückgezogen und versuchen den Kindern Geborgenheit zu geben und ihnen ein behütetes Heim zu schaffen.

Wegeners Vater ist Theologe und Altphilologe und leitet als solcher das Schindlersche Waisenhaus in Berlin. Anna Wegener, geborene Schwarz,  stammt aus Zechlinerhütte, einem kleinen Dorf in der Mark Brandenburg, nahe Rheinsberg.

In ihrem Geburtshaus, dem Direktorenhaus der mittlerweile stillgelegten Kristallglashütte, verbringen Alfreds Eltern, die in Berlin nie heimisch geworden sind, mit ihren Kindern ihre Sommerurlaube. So oft wie nur möglich fliehen sie geradezu aufs Land. Die Mark Brandenburg mit ihren Seen und Kiefernwäldern, diese von der Eiszeit geprägte Landschaft kommt den sich schon früh entwickelnden naturwissenschaftlichen Neigungen der beiden unzertrennlichen Brüder Kurt und Alfred sehr entgegen. Hier können sie ihre Freude an der freien Natur in idealer Weise ausleben.

1913 werden Alfred Wegener und Else Köppen ganz in der Nähe standesamtlich getraut.

Else Wegener, geb. Köppen

Alfred Wegeners Frau wird am 1. Februar 1892 als Tochter des bekannten Meteorologen und Klimatologen Wladimir Köppen in Hamburg geboren. 1908 lernt sie Alfred Wegener bei einem Vortrag über die "Danmarkexpedition 1906 – 1908" kennen. Zwischen Wegener und Prof. Köppen entwickelt sich eine rege wissenschaftliche Korrespondenz. Häufigen Besuchen folgt die Verlobung von Else Köppen und Alfred Wegener.

Nach ihrem Lehrerinnenexamen geht Else Köppen 1911/12 für elf Monate als Privatlehrerin nach Oslo, um dort ihrem Verlobten während seiner Durchquerungsexpedition von 1912/13 näher zu sein. Nach Wegeners Rückkehr folgt im Jahre 1913 die Heirat. Else Wegener siedelt zu ihrem Mann nach Marburg über, der dort eine Stelle als Privatdozent innehat. Sie nimmt regen Anteil an seinen wissenschaftlichen Plänen und Überlegungen. 1916 übersetzt sie die dänische Ausgabe des Berichts "Durch die weiße Wüste" der Durchquerungsexpedition von 1912/13 von Koch/Wegener.

1914, 1918 und 1920 werden dem Ehepaar Wegener die Töchter Hilde, Käte und Charlotte geboren. 1919 zieht die Familie nach Hamburg ins Haus Köppen. Alfred Wegener wird Nachfolger seines Schwiegervaters als Abteilungsleiter für Meteorologie an der Deutschen Seewarte. Im Jahre 1924 folgt der Umzug nach Graz, wohin Wegener einen Ruf als ordentlicher Professor für Geophysik und Meteorologie erhält. Mit viel Einfühlungsvermögen und interessiertem kritischen Verstand lebt Else Wegener an der Seite ihres Mannes. So stimmt sie auch den Plänen für eine neuerliche Grönlandexpedition zu. Als aber 1931 die Nachricht vom Tode ihres Mannes eintrifft, bricht sie fast zusammen.

1932 gibt Else Wegener gemeinsam mit Fritz Loewe den Bericht "Alfred Wegeners letzte Grönlandfahrt" heraus. Später verfasst sie eine Biografie ihres Vaters ("Wladimir Köppen, ein Gelehrtenleben für die Meteorologie", 1955). Es folgt eine Biografie ihres Mannes ("Alfred Wegener: Tagebücher, Briefe, Erinnerungen", 1960). Bis ins hohe Alter ist sie an der Polarforschung und der Weiterentwicklung der Theorie ihres Mannes interessiert. Zu ihrem 100. Geburtstag am 1. Februar 1992 wird sie zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung ernannt. Nach dem Krieg siedelt Else Wegener von Graz nach Seefeld in Tirol über, 1980 von dort nach München zu ihrer Tochter Charlotte und 1989 nach Sindelfingen zur Tochter Käte. Sie stirbt dort am 27. August 1992. Ihre Urne wird im Oktober 1992 wie die ihrer ältesten Tochter, ihrer Schwiegereltern und der Geschwister Alfred Wegeners, in Zechlinerhütte in der Mark Brandenburg beigesetzt.

Die älteste Tochter Alfred und Else Wegeners, Hilde, stirbt schon kurz nach ihrer Heirat im Jahre 1936. Charlotte Wegener, die jüngste, wird Geodätin, also Landvermesserin, und bewahrt das wissenschaftliche Erbe ihres Vaters. Sie stirbt im Mai 1989. Die mittlere Tochter Käte lebt heute in Sindelfingen und hat dort ihre Mutter Else Wegener bis zu ihrem hundertsten Geburtstag betreut.

Kurt Wegener

 Kurt Wegener, der ältere Bruder Alfred Wegeners, wird am 3. April 1878 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Innsbruck, Kiel und Berlin wird er, wie auch später sein Bruder Alfred, Assistent am Aeronautischen Observatorium Lindenberg bei Berlin.

Die Jahre 1904 bis 1907 sind der Erforschung der Atmosphäre durch Ballonfahrten gewidmet. Danach zieht es ihn in die Ferne: zunächst ins Samoa-Observatorium, 1912 bis 1913 schließt er sich einer Spitzbergen-Expedition an. Nach einem Aufenthalt an der Meteorologischen Zentralstation von Elsaß-Lothringen in Straßburg wird er 1919, wie sein Bruder Alfred, Abteilungsleiter an der Deutschen Seewarte in Hamburg.

1922 lässt sich Kurt Wegener nach Berlin versetzen, wo dem begeisterten Flieger vom dortigen Wetterdienst die Durchführung der ersten meteorologischen Höhenflüge angeboten wird.

Es folgen einige Jahre Südamerika. 1930/31 wird er als meteorologischer Berater der Zentralstelle für Wetterflug ins Reichsverkehrsministerium gerufen. Von dort aus geht er nach Grönland, um die Expedition seines Bruders nach dessen Tod zu Ende zu führen. Anschließend wird er auch sein Nachfolger in seiner Professur in Graz.

Er ist Herausgeber der siebenbändigen "Wissenschaftlichen Ergebnisse der Deutschen Grönland-Expedition Alfred Wegener". Nach seiner Pensionierung zieht es ihn wieder nach Südamerika, wo er Strahlungsmessungen durchführt. Seine letzten Lebensjahre verbringt er bei seiner Schwägerin Else Wegener in München. Hier stirbt er am 29. Februar 1964.

Wladimir Köppen

Alfred Wegeners Schwiegervater Wladimir Köppen wird am 25. September 1846 in St. Petersburg geboren. Er ist ein berühmter Meteorologe und Klimatologe in Hamburg und leitet dort die meteorologische Drachenstation Großborstel. Wegener lernt ihn dort 1906 kennen, als er ihn um Rat für seine meteorologischen Untersuchungen auf seiner ersten Grönlandexpedition bittet. Nach der Danmark-Expedition (1906 bis 1908) lernt Wegener in Köppens Haus die damals 16-jährige Else Köppen kennen, die er 1913 heiratet.
1919 wird Wegener Nachfolger seines Schwiegervaters als Abteilungsleiter für Meteorologie an der Deutschen Seewarte in Hamburg.

Wegeners Zusammenarbeit mit seinem Schwiegervater ist sehr fruchtbar: Gemeinsam publizieren sie 1924 "Die Klimate der geologischen Vorzeit", worin die Ergebnisse von Wegeners Kontinentaldrifttheorie auf die Klimata der geologischen Vorzeit angewandt werden.

Das Ehepaar Wladimir und Marie Köppen folgt der Familie Wegener bei deren Umzug nach Graz, wo Alfred Wegener ordentlicher Professor für Geophysik und Meteorologie wird. Wladimir Köppen stirbt am 22. Juni 1940 in Graz.

Gedenkstätte Zechlinerhütte

Zu ihr gelangt man über die A 24: Hamburg - Berlin, Abfahrt Neuruppin und weiter über die
B 167 Richtung Rheinsberg. Von da aus ist Zechlinerhütte ausgeschildert und nur noch etwa fünf Kilometer entfernt.


 
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