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Leptolaimus spec.: Ein freilebender Fadenwurm (Nematoda)

Leptolaimus spec., ein freilebender Fadenwurm (Nematoda). Foto: Christiane Hasemann, Alfred-Wegener-Institute

Anstieg der Wassertemperatur in 2.500 m Wassertiefe seit 1999 an der zentralen Station im AWI Hausgarten im Arktischen Ozean. Graphik: Thomas Soltwedel, Alfred-Wegener-Institut

Nematoden sind eine der erfolgreichsten Tiergruppen überhaupt. Es ist kaum möglich, einem Lebensraum mit einem gewissen Feuchtigkeitsgehalt Proben zu entnehmen, die wohl Vielzeller (Metazoen), aber keine Nematoden enthalten. Nur im Freiwaser fehlen sie.

Marine freilebende Nematoden sind wenige µm bis mm groß und, unabhängig von der Vielfalt der bewohnten Lebensräume, in der Regel langgestreckt, drehrund und ohne Körperanhänge. Es gibt Ausnahmen hiervon, aber die enorm erfolgreiche Koexistenz zahlreicher Arten in einer großen Vielfalt von Lebensräumen liegt in der physiologischen, biochemischen und verhaltensorientierten Anpassung von Nematoden, nicht in ihrer strukturellen Diversität. Das hier abgebildete Männchen entstammt arktischem Tiefsee-Sediment aus 2500 m Wassertiefe. Es ist ein selektiver Partikelfresser, mit kleiner, unbewaffneter Mundhöhle, das sich hauptsächlich von Bakterien, Algen oder Pilzen ernährt. In der Tiefsee stellt die Gruppe der Nematoden in nährstoffarmen wie –reichen Gebieten 85-95 % der kleinen sedimentbewohnenden Organismen-Gemeinschaften. 

 

Das Alfred-Wegener-Institut unterhält seit 1999 im Arktischen Ozean westlich von Spitzbergen das erste und bisher einzige Tiefsee-Langzeit-Observatorium in hohen nördlichen Breiten, den AWI-HAUSGARTEN. Steigende Wassertemperaturen (auch in großen Tiefen, siehe Abbildung) und der zunehmende Rückgang des Meereises wird dazu führen, dass sich das Gebiet des HAUSGARTENs von einem Eisrand beeinflussten und damit hochproduktiven Gebiet zunehmend zu einem offenen, ozeanischem System hin entwickelt (Atlantifizierung). Der Rückgang des Eises führt zu veränderten Produktionsbedingungen im Plankton und damit zu einem veränderten Nahrungseintrag in die Tiefsee. Vor allem in der Tiefsee haben Nematoden einen erheblichen Anteil an den Stoffwechselbilanzen, in den Nahrungsketten und beim Abbau und Remineralisierung abgestorbener organischer Substanzen. Ein verändertes Nahrungsangebot und erhöhte Wassertemperaturen haben einen direkten Einfluss auf die Zusammensetzung ihrer Gemeinschaften. So trägt das Verständnis, um die Diversitätsmuster von Nematoden als wichtig(st)e Komponente kleinster sedimentbewohnender Lebensgemeinschaften in der Tiefsee, erheblich dazu bei, die ökologischen Auswirkungen der globalen Erwärmung in einem Arktischen Tiefsee-Ökosystem zu verstehen.


 
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