Crassostrea gigas, eine pazifische Auster im Wattenmeer
Steckbrief
Austern sind Muscheln mit rauer Schale. Unter Wasser sind sie leicht geöffnet und dann filtern die Austern kleine Nahrungspartikel aus dem einströmenden Wasser. Je nach Alter und Ernährungslage ist eine Auster Mal männlich oder weiblich. Millionen von Eiern werden im Wasser befruchtet und entwickeln sich dort zu winzigen Wimperlarven. Finden die nach längerem Herumtreiben eine feste Unterlage, dann kitten sie sich mit ihrer Kalkdrüse fest und die zwei-klappige Auster wächst heran.
Im Pazifik ist eine sehr große Austernart, die Crassostrea gigas – bis Schuhgröße 42 – von der Nordküste Japans bis Taiwan verbreitet. Portugiesische Seefahrer brachten sie schon früh nach Europa, aber erst als die europäische Austernart den Feinschmeckern nicht mehr genug war, wurde die Pazifische in großem Stil für die Zucht importiert. Sie beherrscht heute den weltweiten Austernmarkt. An vielen Küsten hat sie sich auch außerhalb der Austernfarmen vermehrt.
Austern verändern das Weltnaturerbe Wattenmeer
Der Klimawandel hat das Wattenmeer in den letzten 30 Jahren um 1,5°C erwärmt. Bei Einfuhr der Pazifischen Austern glaubte man noch, das Wasser der Nordseeküste reicht nur zum Wachsen und für die Vermehrung ist es zu kalt. Das erwies sich bald als Irrtum. Von Austernfarmen in den Niederlanden und einer bei Sylt trieben die Larven dieser Austern durch das Wattenmeer, setzten sich besonders auf Miesmuscheln fest und verwandelten Muschelbänke in Austernriffe. Betroffen sind davon Vögel wie die Eiderente, die Muscheln fressen, nicht aber Austern wegen ihrer dicken und sperrigen Schale. Andererseits wachsen auf Austern, die unterhalb der Gezeitenzone ständig von Wasser bedeckt sind, Tierkolonien und Algen, die wiederum mobilen Kleintieren und Fischen einen ganz neuen Lebensraum bieten. So wurde mit den Austern der Japanische Sargassum-Tang eingeschleppt. Er ist zäh, stark verzweigt, wird über drei Meter lang und bildet unter Wasser einen dichten Algenwald. Bei stürmischer See erfassen Wellen die Algen und verschleppen sie samt der daran hängenden Auster. Das führt zu weiterer Verbreitung. Durch die Präsenz der Pazifischen Austern gibt es mehr Filtrierer im Ökosystem, riffartige Strukturen und mehr Algen, aber weniger zu fressen für die Konsumenten im oberen Teil des Nahrungsnetzes. Die Kombination von Klimawandel und Welthandel mit Austern hat eine biologische Globalisierung unter Wasser beschleunigt, die zwar regional die Biodiversität steigert, im weltweiten Vergleich dagegen biologische Unterschiede zwischen den Küsten verwischt. Das ist ganz so wie mit den Fastfood-Restaurants, nur dass da Austern und Algen noch im Angebot fehlen.




